John Gribbin; Mary Gribbin

Fire on Earth

Sach. St. Martin's Griffin, New York. ISBN: 0-312-15529-8

John  Gribbin; Mary  Gribbin: Fire on Earth

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Der britische Astrophysiker John Gribbin, der vor allem durch Bücher wie "Ein Universum nach Maß", "Auf der Suche nach Schrödingers Katze" oder "Unsere Sonne - Ein rätselhafter Stern?" vielen Lesern weltweit ein Begriff sein dürfte, hat zusammen mit seiner Frau Mary einige Bücher verfasst, die weniger "technisch" sind und ein etwas anderes Themenspektrum abdecken. Genannt seien hier die äußerst informativen (und unterhaltsamen) "Ein Prozent Vorteil - Wie wenig uns vom Affen trennt" und "Kinder der Eiszeit - Beeinflusst das Klima die Evolution des Menschen?".

In "Fire on Earth" wird die Thematik von "Kinder der Eiszeit" etwas ausgeweitet, und der Untertitel "Doomsday, Dinosaurs and Humankind" liefert den ersten Anhaltspunkt dafür, worum es diesmal geht, nämlich um die Auswirkungen, die Einschläge von Kometen und Asteroiden auf das Leben auf der Erde, speziell auf die moderne Menschheit, haben könnten. Die Aufbereitung des Themas ist ebenso gut gelungen wie in den beiden oben genannten Büchern: Beginnend mit einer allgemeinen Einführung in die Thematik stellen die Autoren in den folgenden Kapiteln ihre eigenen Theorien vor, in die auch die Erkenntnisse, die man durch den Einschlag des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter im Jahre 1994 gewonnen hat, eingeflossen sind.

Die Theorie, dass das Verschwinden der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren auf den Einschlag eines riesigen Asteroiden im Golf von Mexiko zurückzuführen ist, wird in der Fachwelt seit Jahren heiß diskutiert, genauer gesagt seit im Jahre 1980 der Nobelpreisträger Luis Alvarez zusammen mit seinem Sohn Walter einen Artikel zu diesem Thema in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlicht hat. Ihre Annahme stützte sich damals auf die Tatsache, dass in der Grenzschicht zwischen Kreidezeit und Tertiär hohe Anteile von Iridium enthalten sind, einem Element, das auf der Erde sehr selten vorkommt, in Asteroiden und Kometen aber in weitaus größeren Mengen enthalten ist. Damals fehlte den Autoren zur weiteren Untermauerung ihrer These ein "passender" Krater, der erstens groß genug war, um von einem kosmischen Objekt der beschriebenen Größe herzurühren und der zweitens das richtige Alter aufwies. Die meisten ihrer Fachkollegen waren nicht bereit, an ein solches Ereignis zu glauben, sofern man ihnen nicht die "smoking gun", den buchstäblich rauchenden Colt, präsentierte. Wer sich für die Geschichte dieser Erstveröffentlichung interessiert, dem sei David Raups Buch "Der Untergang der Dinosaurier" ("Der schwarze Stern", "The Nemesis Affair") empfohlen, in dem er äußerst kurzweilig über diese Episode in der Wissenschaftsgeschichte berichtet. Mit der Entdeckung des Chicxulub-Kraters vor der Küste von Yucatan sind manche der Kritikerstimmen verstummt, und die Möglichkeit, dass ein solches Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, wird nun von vielen Wissenschaftlern ernsthaft in Betracht gezogen, die sich weiterhin fragen, welche Auswirkungen es hätte, würde es die Menschheit treffen.

Einer der interessantesten Aspekte im Buch der Gribbins ist dabei die Frage nach der Entstehung der Eiszeiten, deren Ursachen auch heute noch nicht völlig verstanden werden. Nachdem die Kreidezeit und ein großer Teil des Tertiär von einem warmen bis gemäßigten Klima ohne Eis auf den Polkappen geprägt waren, setzte vor ca. 2 Millionen Jahren mit Beginn des Pleistozän ein kontinuierlicher Temperaturrückgang ein, der in der letzten Eiszeit vor ca. 18000 Jahren gipfelte. Dazwischen gab es immer wieder lange Perioden sog. Interglaziale, während denen das Klima in etwa heutigen Verhältnissen entsprochen haben dürfte oder sogar etwas wärmer war. Wer es nicht wissen sollte: Auch wir leben seit ca. 10000 Jahren in einem Interglazial, denn es gibt keine stichhaltigen Gründe dafür, das Holozän vom Pleistozän abzugrenzen, das nach Meinung vieler Experten noch nicht zuende ist. Die Einteilung der geologischen Zeitskala erfolgte bekanntlich anhand einschneidender Ereignisse, meistens durch Aussterbeszenarien, die die Grenzen zwischen den einzelnen geologischen Zeitaltern markieren. Am Ende der letzten Eiszeit hat jedoch nichts derartiges stattgefunden, denn das Verschwinden von Säbelzahnkatze, Mammut oder Wollnashorn (um nur einige Bespiele zu nennen) ist eher dem sog. "Hintergrundaussterben" zuzuordnen, wobei allerdings auch dieser Punkt heiß umstritten ist und die Expertenmeinungen darüber weit auseinandergehen.

Eine Theorie, die die Entstehung der Eiszeiten erklären soll, sind die sog. Milankovitch-Zyklen, die sich auf die Präzession der Erdachse auf ihrer Bahn um die Sonne berufen. Die Gribbins stellen nun die These auf, dass ein weiterer Faktor vielleicht das Auseinanderbrechen eines riesigen Kometen im inneren Sonnensystem gewesen sein könnte, was sich z.B. auch mit den Legenden vieler Völker auf der ganzen Welt über Flutkatastrophen, Brände oder "Jahre ohne Sommer" deckt. Ein interessanter Aspekt, der zumindest einige Denkanstöße liefert.

Stoff zum Nachdenken liefert das Buch auch sonst genug, es ist außerdem verständlich geschrieben und für jeden lesbar. Kenntnisse in Astrophysik sind nicht erforderlich. Am Ende jeden Kapitels ist eine Liste mit weiterführender Literatur zu finden, auch ein Gesamtindex am Schluss ist vorhanden.

Fazit: Ein fesselndes Sachbuch, bei dessen Lektüre man den Lapsus im ersten Kapitel, Mosasaurier und andere schwimmende Reptilien der Kreidezeit als Dinosaurier zu bezeichnen, schnell vergisst.

Monika Hübner






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