Christine Grän

Hurenkind

Roman. C. Bertelsmann Verlag, 255 Seiten. 42.00 DM . ISBN: 3570003930

Christine  Grän: Hurenkind

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Marie und Anne und Leon. Und Max. Der jedoch existiert nicht als Ich, das seine eigene Sicht der Geschehnisse dokumentiert, der existiert nur in der zweiten Reihe. Marie ist das Wesen, das sich hinter dem Romantitel verbirgt, das sich tatkräftig im Journalismus breit macht. Eine moderne Domina im Beziehungsgeflecht schwarzer Buchstaben auf Zeitungspapier.
Hurenkind – ein Wort mit zweifacher Bedeutung, dessen erste, Kind einer Hure zu sein, auf Marie in jedem Fall zutrifft. Druckersprachlich definiert es sich als „einen Absatz beschließende Einzelzeile am Anfang einer neuen Seite oder Spalte“ (Duden). Im übertragenen Sinne lebt Marie in der zweiten Bedeutung des Wortes trotz der bedingungslosen Hingabe an Max und kurz darauf an Leon ebenfalls einzeilig. Diesen doppeldeutigen Aspekt arbeitet Christine Grän schonungslos heraus und stellt die grundsätzliche Loser-Welt von Marie unter den Tarnanzug der modernen, selbständigen, unabhängigen und emanzipierten Frau. Ihre Mutter, eine ehemalige Domina unter starker Alkoholabhängigkeit, siecht einsam dahin. Zu ihrer und der eigenen Beruhigung bringt Marie ihr einmal monatlich eine Flasche Wodka mit. Kinderliebe.
Marie. Eine gerade noch akzeptierbare Form von Geschwätzigkeit durchzieht anfangs ihren Text, der Hang zum kleinkarierten Pathos und eine bemerkenswerte Handlungsarmut, gepaart mit weinerlichen Existenzängsten, machen das Lesen mühsam: „Ich war nie ein Soldat der Wahrheit. Ich lüge, wenn es die Gelegenheit erfordert, manchmal sogar, um andere nicht zu verletzen. Ich bin nicht schlecht, wer würde das von sich denken? Ich bin nur ein Kind meiner Mutter, meiner Herkunft, meiner Zeit. Ich weiß, dass ich allein bin, Vater unbekannt, Mutter Hure“.

Anne und Leon. Sie Schauspielerin, er Pilot. Gegensätzliche Ansichten wie Abtreibung oder Kinderwunsch spalten fast die Familie. Gaaaaaanz langsam baut Christine Grän die Handlungsfäden und Höhepunkte auf, bis unvermittelt, aus heiter-wolkigem Himmel, das Buch an Fahrt gewinnt. Maries akurat-lässig durchgeplantes Leben gerät unvermittelt in eine Zickzack-Bewegung, aus der alle Betroffenen am Ende ziemlich blessiert herauskommen. Alles davor stellt sich als ein endlos langes Vorwort heraus. Auslöser ist Max, den sie für ihre Zeitung interviewt, ein mächtiger Mann von Welt, ein Mitnehmer, der Frauen und andere Annehmlichkeiten gerne einsammelt. Max ist der Bruder von Leon, ein nie aufrichtiger Mensch, von dem Leon wirtschaftlich abhängig ist. Was treibt die Spürnase Marie in seine Arme? Sie kostet trotz aller Verliebtheit ihre Macht aus, eine Macht der Worte, und Max füttert sie mit falschen Informationen aus seinem Machtkartell. Sein Schachzug ist eine subtile Form der Rache, denn Marie verliebt sich in Leon und setzt damit eine Bewegung in Gang, die von niemandem mehr aufzuhalten ist. In diesen Abschnitten wächst der Roman zu wahrer Größe auf.
Christine Grän zeichnet couragiert ein ekelhaftes Spiegelbild von großen Teilen der Gesellschaft und kümmert sich dabei verstärkt um die geschmacklosen Verflechtungen von Politik und Presse. Zuletzt war Christine Grän, in Graz geborene Journalistin mit fünfjähriger Afrikaerfahrung und Krimiautorin, mit dem Roman „Die Hochstaplerin“ erfolgreich. Und als Schöpferin der Krimiseriendame Anna Marx erhielt sie einen Preis der Raymond-Chandler-Gesellschaft. Im „Hurenkind“ wird nicht gemordet, hier sterben nur die Gefühle, die Beziehungen und die Wahrheiten.

 

 






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