David Gemmell

Rabenherz

Fantasy. Bastei Lübbe, ISBN: 3404283449

Braveheart plus
David  Gemmell: Rabenherz

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"Rabenherz" stellt den dritten Roman des Rigante-Zyklus von David Gemmell, einem der führenden Autoren der Heroic Fantasy, dar. Die Geschichte spielt im feudalen Mittelalter, nicht mehr zur Zeit des alten Roms und seiner Kaiser; ein gewaltiger Zeitsprung.

Seit Kelten-Hochkönig Connavar und sein Bastardsohn Bane in den beiden Vorgängern die Armeen von Stone (Rom) besiegten, sind 800 Jahre vergangen.

Nun ist ein Zeitpunkt gekommen, an dem ähnlich der realen Geschichte nicht mehr die Römer, sondern die Engländer, in diesem Falle die "Varlish", über die Riganten herrschen. Eine Ironie des Schicksals ... Die Riganten werden unterdrückt und ihrer eigenen Kultur beraubt, von den Besatzern wird aus ihrem legendären König Connavar "Con of the Vars" gemacht, ein angeblich varlischer Prinz ...

Die Kultur und Geschichte der besiegten Rigante wird systematisch absorbiert, verändert oder verleugnet. Die Keltoi, jetzt Highlander, werden als minderwertig angesehen, benachteiligt und unterdrückt.

Die druidische Religion der naturverbundenen Rigante wird vom Christentum, hier der "Quelle", nach und nach verdrängt, die Magie des Landes geht zurück und nur wenige Rigante besitzen noch druidische Gaben.

So etwas schreit geradezu nach einem Aufstand à la Braveheart – der Kessel beginnt zu kochen ...

Der Rigante-Zyklus im Überblick

Spätantike
Band 1: Die Steinerne Armee (Sword in the Storm)
Band 2: Die Nacht des Falken (Midnight Falcon)

Mittelalter
Band 3: Rabenherz (Ravenheart)
Band 4: Stormrider – noch nicht übersetzt

Freiheitsliebende Highlander und gerissene Landlords

Befreiten sich die Rigante, der führende Stamm der Highlander in Gemmells alternativem Britannien, im Vorgänger von den Römern, ist die Lage 800 Jahre später wesentlich düsterer:

Varlische (britische) Landlords herrschen über die Highlander-Stämme, ihre ruhmreiche Geschichte wird umgeschrieben oder verleugnet, die enge Verbindung der Highlander zu den "Sidhe" genannten Naturgottheiten und ihrer Magie ist ebenfalls nicht mehr gegeben.

Der gewaltigste Unterschied ist jedoch: Es fehlt der große Nationalheld, es gibt keinen Connavar oder Bane, der die Highlander eint und die Invasoren vertreibt. Denn Lanovar, ein ferner Nachfahre der Linie Connavars, wurde von dem "Moidart" genannten Landlord von Burg Eldacre verraten und ermordet, als er Frieden schließen wollte. Allerdings hatte dieser einen guten Grund zum Grollen: Lanovar hat den Moidart mit seiner Frau Rayena betrogen, und diese ist nun schwanger - ob vom Moidart oder Lanovar, das weiß keiner ...

Lanovar stirbt, ohne seinen illegitimen Sohn jemals gesehen zu haben. Seinem zweiten Sohn, Kaelin, einem reinrassigen Rigante, gibt er den Seelennamen "Rabenherz" und bittet seinen hünenhaften Freund Jaim Grymauch, für ihn zu sorgen.

Die Reiter des Moidart überfallen die Rigante, es kommt zu Blutvergießen, Kaelins Mutter wird getötet, er selbst von seiner Tante Maev gerettet. Derweil arrangiert der Moidart selbst ein Attentat auf seine eigene treulose Frau und tötet sie, schiebt die Schuld Rigante-Attentätern zu. Seinen Sohn bringt er nicht um – er hat zwar die grün-goldenen Augen Lanovars, jedoch hatte die Großmutter des Moidart ebenfalls solche Augen ... ungewiss, ob der kleine Gaise sein Sohn ist, lässt er ihn leben.

Liebe oder Zuneigung wird er jedoch nicht erfahren, der Moidart wird ihn alleine aufwachsen lassen und ihm jegliche Anerkennung verwehren. An und für sich schon ein grausamer und kaltblütiger Mann, wird der Moidart zum Fluch für die Riganten, denen in den Städten das Tragen von Waffen und ihren Clanfarben verboten ist. Einzig die "Schwarzen Riganten" in den nördlichen Highlands sind stark genug, die Durchsetzung des Gesetzes auf ihrem Gebiet durch die Truppen des Moidart zu verhindern.

Kaelin und Grymauch müssen bald Eldacre verlassen, denn Kaelin hat die Soldaten, die seine Freundin Chara vergewaltigten und ermordeten, getötet und verstümmelt, Jaim bei den Hochlandspielen den varlischen Box-Champion besiegt. So fliehen sie in die Highlands, zu den gesetzlosen Schwarzen Riganten, mit deren Anführer Call Jace Kaelin bald Bekanntschaft machen wird ...

Starke Charaktere, aber keine abgeschlossene Handlung

Eine klassische Konfliktsituation, die geradezu nach einem Volksaufstand und einem Freiheitshelden schreit – auf diesen wird man jedoch vergeblich warten, denn im Gegensatz zu den in sich abgeschlossenen Vorgängern ist "Rabenherz" nur in Verbindung mit dem zum Zeitpunkt dieser Rezension noch nicht übersetzten "Stormrider" eine wirklich abgeschlossene Geschichte.

So schafft "Rabenherz" vielmehr die Grundlagen und führt die wichtigsten Figuren wie den Moidart, Maev und Kaelin sowie Jaim Grymauch ein. Diese Figuren geben dem Buch auch weitgehend seinen Charme und Charakter. Jaim Grymauch zum Beispiel ist ein riesiger Highlander, hat ein Herz wie ein Bär und ist sowohl bei Rigante als auch einigen Varlish sehr beliebt, obwohl er ein Säufer, Viehdieb und Rumtreiber ist. Maev Ring ist Jaims heimliche Liebe, eine Highlander-Geschäftsfrau, die so erfolgreich ist, dass ihr Erfolg sie zum Objekt des Neids und der Willkür der Varlish machen wird – denn keinem Rigante ist viel Besitz erlaubt.

Die wohl faszinierendste Figur ist jedoch der "Moidart" genannte Herr von Burg Eldacre: Der raffinierte und kaltblütige Landlord ist ein faszinierender Bösewicht. Hart, aber nicht ungerecht, grausam und zugleich ein begnadeter Künstler. Das klingt recht 08/15, nicht wahr? Ist es aber nicht, der Moidart offenbart viele Facetten im Laufe des Buches, und im abschließenden Band der Rigante-Saga legt er noch einmal zu, soviel sei vorab versprochen.

Kaelin Ring wird im Laufe des Romans einen "kleinen" Aufstand starten. Wie er sich zum neuen Anführer der Rebellen aufschwingt und wie er seit frühester Jugend bereits in der Schule gegen die Varlish rebelliert, stellt den Kern der gerne in den Hintergrund tretenden Rahmenhandlung dar. Denn sein Halbbruder Gaise Macon, der uneheliche Sohn Rayenas und Lanovars, wird erst in "Stormrider" zusammen mit ihm zum Kampf gegen den Moidart und neue Feinde blasen, die erst gegen Ende dieses Romans auftauchen werden. Die Saga nimmt hier einige überraschende und gelungene Wendungen, die man nach dem sehr linearen und relativ handlungsarmen "Rabenherz" nicht erwarten würde.

Nur die erste Hälfte der Geschichte

Die Figuren und die Geschichte sind mitreißend, Spannung satt wird geboten. Mystische Elemente sind in "Rabenherz" im Gegensatz zu den Vorgängern weniger vertreten. Interessant auch der erfrischende Zeitsprung, Ähnliches hat Gemmell im Stones of Power-Zyklus mit dem unerwarteten Wechsel vom arthurianischen Britannien zu einem postapokalyptischen Wilden Westen schon einmal getan. Mir persönlich gefiel das antike Szenario des Rigante-Zyklus besser, jedoch haben Gemmells mittelalterliche Riganten-Charaktere ihren eigenen Charme und sind, insbesondere der Moidart, differenzierter und interessanter gezeichnet. Der Freiheitskampf-Gedanke wird hier wesentlich deutlicher hervorgehoben, eine gewisse Anlehnung an "Braveheart" ist gegeben, die jedoch in "Stormrider" zu einer unerwarteten Wendung und einem völlig anderen Szenario und Finale führt, das mir gut gefiel.

Das große Problem von "Rabenherz" ist: Der Roman ist nur ein Auftakt, zwar ein furioser, aber ohne "Stormrider" nur halb so gut. Trotzdem ist der Roman so spannend, dass man ihn in einem Stück verschlingen kann, und mit "Stormrider" wird noch einmal ein Scheit mehr in das Feuer geworfen. Zum Glück ist die Vater-Sohn-Beziehung zwischen dem Moidart und Gaise Macon keine Neuauflage der Probleme zwischen Connavar und Bane, wie ich befürchtete!

Die Übersetzung ist Irmhild Seeland wieder einmal sehr gut gelungen, einige schwer zu übersetzende Eigennamen, wie die der Landlords (Moidart, Pinance), wirkten jedoch stets ein wenig unpassend auf mich.

Der Roman ist emotional ausgesprochen mitreißend, kann so den Mangel an äußerer Handlung kompensieren und dafür mit hervorragenden Charakterisierungen glänzen und die Grundlage für ein packendes Finale des Rigante-Zyklus legen.
 

Michael Birke [05.09.2004]






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