David Gates

Der letzte Rebell

Roman. Rowohlt, 528 Seiten. 44.90 DM . ISBN: 3-498-02485-X

David  Gates: Der letzte Rebell

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Einer, der mit dem 68er-Virus infiziert ist. Einer, der seit dem älter und doch nicht reifer wurde. Einer, der sich selbst mystisch verklärt und der doch ein anderer wurde. Einer, der es nicht bemerkt hat.


Aus einem kurzen Wochenende im Familienlandhaus in Preston Falls werden für Doug Willis zwei lange Monate. Willis, der letzte Rebell, arbeitet im Pressereferat eines Softdrinkherstellers in New York. Er kommt in diesen Wochen nicht, wie er es sich erhoffte, zu sich. Die auf der langen Strecke gebliebene Ehe mit Jean knackst am bürgerlich ausgerichteten Einheitstrott. Sein Bruder Champ besucht ihn. Der trägt ein T-Shirt mit dem Autopsie-Bild des toten JFK und ist überhaupt ein Freak, der vielmehr zum aktuellen Rebellen taugt als Doug Willis.

Eine lächerliche Auseinandersetzung mit der Obrigkeit, die ihn sogar ins Gefängnis bringt, ist es, die Willis braucht, um seine Rolle als Rebell zu unterstreichen. Aus einer Lappalie konstruiert er stolz und erhobenen Hauptes eine Art Widerstandshandlung. Der Grund für die längsten zwei Monate seines Daseins, die in der Krise in der Mitte seines Lebens an das erinnern, was er sich nicht eingestehen will: Das er verloren hat und dass sein Gehabe lächerlich ist. Willis kehrt sein rebellisches Wesen, oder vielmehr: sein despektierliches Wesen heraus und bringt mit seiner verbalen Attacke gegen einen Bekannten seine Umwelt gegen sich in Stellung.

Plötzlich gleitet Willis in eine Kriminalgeschichte ab, die ganz unglaublich beginnt. Damit er die Anwaltsgebühren bezahlen kann, wird er auf Verlangen dieses sauberen Rechtsvertreters als Drogenkurier tätig. Dann taucht Willis unter und seine Frau Jean wird plötzlich zur Sucherin, die sogar zurück nach Preston Falls fährt. Von Willis findet sie keine Spur. Den Rat der Freundin, die Polizei einzuschalten, weist sie dennoch entrüstet zurück. „’Ich meine, ja, ich hab auch schon dran gedacht. Aber ich frag mich, wo liegen die Grenzen? Es steht ihm doch vollkommen frei, einfach, verstehst du, irgendwohin zu gegen.’“

Nach vielen Jahren der Abstinenz beginnt Willis wieder zu rauchen. Als ob er mit dem Zigarettenqualm seine Probleme wegpusten könnte. Er besucht seine Mutter und taucht in die eigene Vergangenheit ein. Das ist fast immer so, wenn man der Mutter nur selten begegnet. Mütter sind die Garanten für das Gewesene, Mütter sind nie Personen der Gegenwart, sie erinnern immer nur an die eigene Kindheit.

Gates schildert die Gründe, warum das Paar Doug und Jean sich trennen, etwas zu oberflächlich. Die Krise in der Lebensmitte hätte etwas mehr Raum nötig gehabt. Dennoch erzählt Gates eine dezente Geschichte, die ihre Spannung aus dem Fehlen spektakulärer Ereignisse zeugt. An machen Stellen wirkt der Roman überladen, manche Szenen sind zu ausgewalzt, was den Lesefluss eher bremst als in Bewegung hält. Ausführlich beschreibt Gates etwa einen Übungsabend mit Gitarristen, ohne ein überzeugendes Bild dieses kümmerlichen Restes rebellischer Jahre zu zeichnen. Seitenlange Dialoge über das, was eigentlich gespielt werden soll, sind weder rebellisch noch sind sie literarisch bedeutend. Aber Gates vermeidet, und das ist ihm hoch anzurechnen, die bedingungslose Abrechnung und die konsequente Infragestellung der Generation der 68er. Doug Willis, der Einsiedler wider Willen, ist nur ein verlorener Held einer bestimmten Ära, wie es sie aus anderen rebellischen Zeiten auch gibt (und gab).

Textauszug:
Viel Zeit ist vergangen, seitdem Willis Note für Note Mick Taylors Break in „Can’t You Hear Me Knockin’?“ auswendig gelernt hat.






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