Barbara Frischmuth

Die Schrift des Freundes

Bestseller. Residenz Verlag, Salzburg. ISBN: 3-701-71111-9

Barbara  Frischmuth: Die Schrift des Freundes

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'Die Schrift des Freundes' - das ist die Schreibkunst der alevitischen Derwische. Die österreichische Autorin Barbara Frischmuth hat über dieses Thema promoviert und kennt sich aus. Nach Jahrhunderten der Geheimhaltung treten die Aleviten neuerdings wieder in die Öffentlichkeit, eine Herausforderung offenbar an den Machtanspruch der Islamisten. In Frischmuths neuem Roman greifen die gewalttätigen Auseinandersetzungen der Gruppen auch nach Österreich über, zu einer Zeit, als die Öffentlichkeit ohnehin durch Rechtsradikalismus und ungeklärte Briefbombenserien emotionalisiert ist. Das Innenministerium gibt deshalb PACIDIUS in Auftrag, ein Computerprogramm zur engmaschigen Erfassung und Überwachung von Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten. Da aber auch die Erfaßten über das notwendige Insiderwissen verfügen, werden die elektronischen Netze selbst zum Austragungsort der Konflikte.

Diese höchst spannenden Thrilleringredienzien würzt Barbara Frischmuth noch mit Elementen aus Tausendundeiner Nacht. Sie fädelt ihre Story an einer Liebesgeschichte auf, zwischen der Computerexpertin Anna und dem Aleviten Hikmet Ayverdi, die noch dadurch kompliziert wird, daß die junge rothaarige Anna Geliebte des Ministerialrats Haugsdorff ist, der von oben PACIDIUS überwacht, während Anna dran arbeitet, ohne wirklich zu wissen, oder wissen zu wollen, was sie tut ... Erst zum Schluß klärt sich alles in einer Anklage gegen die menschenfeindliche staatliche Ausländerpolitik.

'Die Schrift des Freundes' liest sich auch wie ein Entwicklungsroman. Anna ist eine leichtlebige Zeitgenossin, cool, erfolgreich am PC und geübt im Verdrängen unangenehmer Erlebnisse. Der dunkle Hikmet mit seinen nach Orangen duftenden Händen öffnet ihr nicht nur eine orientalische Märchenwelt, sondern auch die mystische Frömmigkeit der alevitischen Kalligraphen. Die Schrift des Freundes wird zur Rahmenmetapher. Hier gibt es eine andere Welt hinter der vordergründigen, hier herrschen Verwandlung, Mehrdeutigkeit, Geheimnis - eine Erfahrung so verunsichernd, daß Anna sich allmählich aus dem Kokon ihrer Selbstbezogenheit zu entpuppen beginnt. Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen der Metaphernwelt des Computers und der Kalligraphie, der 'Geometrie des Gemüts'. Hier wie dort gibt es Allsucher und den Wunsch, selbst ein Gott zu werden, der sich seine Welt erschaff'.

Obwohl der Roman also aus seinen verschiedenen Elementen geschickt zusammengebaut und mit Bildern verstrebt ist, bleibt am Ende die Lektüre etwas unbefriedigend. Die Sprache müßte mehr Dichte und Glanz entwickeln, besonders in den Dialogen. Und die Figur der Anna müßte etwas schärfere Konturen haben, um ihre Rolle im Buch wirklich tragen zu können - eine sich im fruchtbaren Austausch der Kulturen entwickelnde Persönlichkeit.

Eva Leipprand

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