Brian Freeman

Immoral

Krimi. Headline, London. 340 Seiten. ISBN: 0-7553-2751-9

Spannendes Thrillerdebüt: Mädchenmorde im hohen Norden
Brian  Freeman: Immoral

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Lieutenant Jonathan Stride ermittelt in einer Serie von Mädchenmorden, die seine Heimatstadt Duluth, Minnesota, erschüttern. Das erste Opfer war Kerry McGrath, lebenslustig und süße Sechzehn. Ihre Leiche wurde noch nicht gefunden. Und jetzt Rachel Deese, das gleiche Lied. Doch die Wahrheit hinter Rachels Verschwinden ist komplizierter, als sich Stride das hätte träumen lassen. Und viel unmoralischer. Aber nach dem Indizienprozess erhält er eine seltsame Postkarte mit einer weiblichen Handschrift. Die Spur führt nach Las Vegas.

Der Autor
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Brian Freeman ist 41 Jahre alt, lebt in Minnesota und arbeitet als "Kommunikationsberater" freiberuflich für eine große Anwaltsfirma namens Faegre & Benson. Er schreibt Romane und Erzählungen seit seiner Schulzeit, aber "Immoral" ist sein erster "kommerzieller" Roman. Die Story von "Immoral" beruht auf einem authentischen Fall in Minnesota aus dem Jahr 1992.

Mehr Infos: www.bfreemanbooks.com (geprüft).

Handlung
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Polizeileutnant Jonathan Stride dachte, er hätte schon alles gesehen. Aber diese neue Fall belehrt ihn eines Besseren. Die junge Frau Rachel Deese wird als vermisst gemeldet. Dies ist schon der zweite Fall innerhalb eines Jahres, dass ein Mädchen verschwindet. Die Leiche der sechzehnjährigen Kerry McGrath wurde bis heute noch nicht gefunden.

Diese Tatsache reibt ihm der zudringliche Reporter Bird sofort unter die Nase – offenbar ist die Polizei von Duluth, Minnesota, unfähig, kniffligere Fälle als einen Ladendiebstahl aufzuklären. Und ob wir es wohl mit einem Serienkiller zu tun haben, Lieutenant, hm? Strides patente Kollegin, die kleinwüchsige Chinesin Maggie, rät ihm, die Nerven zu behalten, bevor er einem Medienfritzen an die Gurgel springt. Das wäre gar nicht gut für die Karriere. Und Stride ist nicht mehr der Jüngste, sondern schon über fünfzig und verwitwet.

Die 17-jährige Rachel Deese war offenbar ein sexuell ziemlich aktives Mädchen. Spurenfunde ergeben, dass sie sich bei einem beliebten Pärchentreff, einer großen Scheune, herumgetrieben hat – ihr VW Käfer war unübersehbar. Sie war eine Halbwaise, die ihren geliebten Vater Tom schon früh verlor und für seinen Tod ihre Mutter Emily verantwortlich machte. Emily hatte den Bankmanager Graeme Stoner geheiratet.

Stride findet diesen Stoner ein wenig zu ruhig und abgeklärt, denn der reiche Typ regt sich kein bisschen über das Verschwinden seiner Stieftochter auf. Seine Ehe mit Emily scheint auch nicht unter einem guten Stern zu stehen, denn die beiden verstehen sich offenbar kaum noch. Emily sucht lieber seelischen Beistand ihrem baptistischen Pastor Trent Dayton. Auch sie haben keine Hinweise, wo sich Rachel herumtreiben könnte.

Als die Suche im Umland, auf Flughäfen, an Busstationen keine Ergebnisse liefert, konzentriert Stride seine Ermittlungen auf die Familie. Dort stößt er endlich auf Hinweise, Graeme Stoner und Rachel ein enges sexuelles Verhältnis miteinander hatten, von dem Emily nichts ahnte. Doch etwas muss wenige Wochen vor ihrem Verschwinden passiert sein: Rachel brach die Beziehung ab.

Da der Staatsanwalt glaubt, genügend Indizien gegen Stoner zu haben, stellt er ihn unter Anklage. Stoner nimmt sich den besten und gewieftesten Strafverteidiger, der sich in Duluth auftreiben lässt: Archibald Gale. Der Prozess endet denn auch mit einigen handfesten Überraschungen.

In der Schlussphase der Verhandlung wird Stride davon unterrichtet, dass eine verbrannte Leiche im Wald gefunden wurde. Ob es Rachel oder Kerry ist, lasse sich nicht sagen. Drei Jahre nach dem Prozess erhält Stride eine Postkarte aus Las Vegas. Er kann sich denken, von wem sie stammt: von Rachel. Die Spur führt in das Sündenbabel von Nevada.

Mein Eindruck
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Dies ist der erste Kriminalroman von Brian Freeeman, und man merkt ihm noch Schwächen in der Konstruktion des Handlungsverlaufs und dem Aufbau der Spannung an. Aber dafür hat der Roman andere Qualitäten. Zum ersten ist Jonathan Stride ein recht sympathischer und glaubhaft erscheinender Bulle, dem man wirklich nur alles Glück der Erde in Sachen privates Glück wünschen kann. Außerdem lässt er sich nicht von Medienfritzen, dem Staatsanwalt oder dem Polizeipräsidenten für dumm verkaufen, von den Informanten schon gleich zweimal nicht.

Nebenfiguren und Humor

Da gibt es eine ganze Reihe sehr anschaulich gezeichnete Nebenfiguren, besonders die Polizistin Serena Dial, die in Las Vegas mit allen möglichen schrägen Vögeln zu tun hat, aber auch nicht auf den Kopf gefallen ist. In diesem dritten Teil kommt auch eine ganze Menge ironischer Humor auf. Diesen gibt es vorher schon im Zusammenhang mit der Polizistenkollegin Maggie, die sich mit ihrem Boss Stride ständig kabbelt. Sie wollte mal etwas mit ihm anfangen, aber sagte, daraus sich nur Leid entwickeln und sie habe etwas Besseres verdient. In solchen Szenen kommt eine gewisse Lebenserfahrung und positive Einstellung zum Ausdruck, die man sich auch von anderen Thrillerautoren wünschen würde.

Überraschungen

Freemans psychologisch aufgebauter Plot ist lange nicht so blutig wie so manches Buch von britischen Autoren wie Robinson oder Hayder. Auch was die erotischen Details angeht, so werden sie stets in pikanter Dosis serviert, und zwar mitunter zu Zeitpunkten, wenn man sie nicht erwartet. Was überraschende Wendungen geht, so liefert der Schluss von Teil 2 – dem Prozess – und von Teil 3 genügend unertwartete Ereignisse und Erkenntnisse, um auch den erfahrenen Thrillerleser noch zu verblüffen. Man muss schon aufmerksam lesen, um sich ausrechnen zu können, was noch kommt. (Die Lösung zu Rachels Rätsels liegt gleich neben Stride im Bett – seine neue Freundin Andrea.)

Null problemo

Der Schwierigkeitsgrad bei diesem englischsprachigen Text ist nicht besonders hoch. Es ist selten, dass die Figuren mal in Jargon oder Umgangsprache verfallen, zumindest in Duluth, eher schon in Vegas. Das Vokabular ist von Sprechern mit mittelguten Englischkenntnissen zu bewältigen.

Unterm Strich
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Freemans Debüt „Immoral“ ist vielleicht noch kein Spitzenprodukt wie ein Roman von Patricia Cornwell, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Freeman hat offenbar viele Berater, die ihm zur Seite stehen. Dass er Talent hat, beweist dieses Debüt bereits, und ich würde gerne bald mehr von Jonathan Stride lesen. Vielleicht wird er für Duluth das gleiche, was Karin Slaughters Serienheld Jeffrey Tolliver für Heartsdale, Georgia, und Harry Bosch für Los Angeles ist: ein Aufklärer von schmerzhaften Tabus.

„Immoral“ habe ich in einem Zug (ja, das Leben in vollen Zügen genießen!) duchgelesen, denn an keiner Stelle habe ich mich gefragt, ob eine Szene zu unwahrscheinlich, eine Information zu unglaubhaft sei. Besonders den Ortswechsel vom kalten Norden in den heißen Süden fand ich sehr erfrischend. Dies gibt auch Anlass für einige Seitenhiebe auf Las Vegas als Sündenbabel und die glitzernde Scheinwelt, die eine raue Wirklichkeit verschleiert. Ich habe Vegas mehrfach besucht und kann diesen Eindruck nur bestätigen: Wer nach Vegas will, um zu bleiben, hat das Spiel des Lebens bereits verloren.

Michael Matzer © 2005ff

Info: Immoral, 2005; Headline, 10/2005, London; 340 Seiten; Preis: 10,99 UK; ISBN 0-7553-2751-9

Pro: spannend, unterhaltsam, ungewöhnliche Mädchenfigur, gibt's auch auf deutsch

Kontra: gibt's nnoch nicht als Taschenbuch






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