Charles Frazier

Unterwegs nach Cold Mountain

Roman. List, ISBN: 3-471-77555-2

Charles  Frazier: Unterwegs nach Cold Mountain

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In "Unterwegs nach Cold Mountain" erzählt Charles Frazier die Odysee des jungen Inman, nach einer schweren Verwundung Deserteur des amerikanischen Bürgerkrieges, und parallel dazu die Geschichte von Ada, einer gebildeten, dem praktischen Leben anfangs völlig verständnislos gegenüberstehenden jungen Frau.

Inman beginnt seine ihn quer durch North Carolina führende Wanderschaft in Washington, im Herzen den erhabenen Cold Mountain, den höchsten Berg seiner weiten wilden Heimat, als Ziel. Eine mystische Geschichte der Cherokee besagt, daß der Cold Mountain die Kraft hat, den Menschen ihre verlorene Seele zurückzugeben. Die Gipfel der höchsten Berge seien gleichsam Pforten in eine andere, schönere Welt für den, der sich auf sie vorbereitet hat.

Inmans Wanderung ist hart – seine Verletzungen behindern sein Vorwärtskommen ebenso sehr wie Milizionäre, die die Wälder nach Deserteuren durchstreifen und wie das Wetter, das immer mehr auf einen eisigen Winter zugeht. Hunger, Schmerz, Kälte und Gefahr sind seine ständigen Begleiter. Immer wieder werden seine Gedanken und Träume von den Schrecknissen der Vergangenheit heimgesucht, wieder und wieder sieht er das sinnlose Morden vor sich.

Unterwegs begegnet er den unterschiedlichsten Menschen und den unterschiedlichsten Schicksalen, ein sehr weltlicher Priester ist für eine Weile sein Begleiter, eine alte Einsiedlerin, die Ziegenfrau, heilt seine schlimmsten Wunden, er läuft trotz aller Vorsicht in eine Falle, gerät wieder in Gefangenschaft und kommt wieder mit dem Leben und der Freiheit davon, hat aber viele Meilen verloren und weitere seelische Wunden davongetragen...

Vor Inmans inneren Augen steht während seiner gesamten Reise das Bild von Ada, der Frau, in die er sich verliebte, bevor er in den Krieg zog. Nichts ist geklärt zwischen ihm und Ada, doch in dem gleichen Maße, in dem Inman bewußt wird, daß er Ada liebt, wird ihm bewußt, daß er leer ist, ausgehöhlt von Schmerz und den vielen Arten von Tod, denen er seit Kriegsbeginn ins Angesicht sehen mußte. Er ist nicht mehr der Mann, der er vier Jahre zuvor war und er hat keine Hoffnung mehr, sich jemals wieder zu finden - dennoch, er treibt seine Beine weiter und immer weiter in Richtung Westen, in Richtung Cold Mountain und Ada.

Ada ist die behütete, gebildete Tochter eines wohlhabenden Pastors, die erst ein paar Jahre zuvor mit ihrem lungenkranken Vater in Inmans dünnbesiedelter zerklüfteter Heimat ankam, in der das Land seine Bewohner prägt. Sie ist in Charleston aufgewachsen, eine stolze und spöttische Städterin, die sich auf dem großen Gehöft, das ihr Vater erwarb, zwar recht wohlfühlt, ihm aber kein gesteigertes Interesse entgegenbringt. Sie interessiert sich für Bücher, Zeichnen, das Klavierspiel, Konversation.

Bis ihr Vater stirbt und sie völlig ohne finanzielle Mittel alleine zurückläßt. Sie weigert sich, zu ihren Verwandten in Charleston zurückzukehren und lebt einsam in dem großen Haus, das immer mehr verwahrlost.

Ada ist nicht fähig, für sich selbst zu sorgen und beginnt inmitten ihrer Ländereien zu verwahrlosen und zu verhungern. Sie ist sowohl im häuslichen als auch im landwirtschaftlichen Bereich völlig unbedarft, sie kann weder kochen noch ein Tier schlachten, kann nicht schießen oder pflanzen, nicht pflügen und nicht säen.

Da tritt Ruby in ihr Leben, ein Mädchen, das auf sich alleine gestellt war, kaum dass es laufen konnte, das nie eine Schule von innen gesehen hat, aber Naturkunde und alte Weisheiten in sich aufgesogen hat wie ein Schwamm das Wasser. Ruby bringt die unpraktische Ada binnen kurzem dazu, ihr zu vertrauen und sich nach ihren Ratschlägen zu richten. Gemeinsam beginnen die Frauen mit der mühseligen Arbeit, die Landwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Sie setzen das Haus wieder instand, halten Tiere und placken sich von morgens bis abends mit schwerer Landarbeit ab.

Währenddessen verändert sich Ada immer mehr. Die zutiefst naturverbundene Ruby kann aus den kleinsten Naturereignissen weitere Naturgeschehen ableiten, kennt die Heilkräuter, Saatzeiten, Wetterregeln, Mondphasen und jede Tierart, die da kreucht und fleucht und weist Ada stets darauf hin aufmerksamer auf ihre Umwelt zu achten. Ada, die anfangs mit dem Buch in der Hand ihre Arbeit zu verrichten suchte, beginnt mit den Himmelsrichtungen und lernt immer rascher dazu, doch desto mehr dieser äußeren Geschehnisse sie verinnerlichen kann, desto mehr entwickelt sie zu einer gänzlich anderen Frau.

Nachdem die beiden Frauen zu Winterbeginn erfahren, daß man Rubys Vater auf dem Cold Mountain erschossen hat, machen sie sich auf den Weg, ihn zu begraben. Doch als sie angekommen sind, finden sie ihn lebend, aber schwerverletzt und nicht transportfähig vor. Sie bringen ihn in ein verlassenes Cherokeedorf – und hier stößt der an Körper und Seele restlos ausgelaugte Inman am Ende seiner Odysee auf die Frauen.

Inman und Ada – beides sehr eigene Charaktere, jeder auf seine Art aufrichtig und zurückhaltend, jeder zu lange alleine, tun sich schwer damit, einander ihre Liebe zu gestehen.

Doch als sie es endlich tun, erfüllt sich Inmans Schicksal, die Prophezeiung des Cold Mountain.

Inman und Ada waren die Ururgroßeltern des Autors Charles Frazier.

Die Erzählung besticht nicht nur durch ihre Handlung. Mehr noch, viel mehr sind es die atemberaubenden, exakten und detailgetreuen Naturbilder, die Charles Frazier vor dem inneren Auge des Lesers entstehen läßt. Man atmet mit seinen Figuren den Geruch der feuchten Erde, des Waldes, die dünne Gebirgsluft, man sieht durch ihre Augen die Landschaft, das Farbenspiel der untergehenden Sonne, man hört die Blätter in den Bäumen rascheln und die Eulen rufen.

Es ist ein sehr tiefsinniges und tiefgehendes Buch, das aufmerksam macht und uns eine verinnerlichte Sicht der kleinen großen Dinge ans Herz legt.

Wenn man es schließt, bleibt eine Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit, nach Einfachheit und Klarheit, nach Freiheit und Weite.

Tanja C.Rheinheimer






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