Karin Fossum

Stumme Schreie

Krimi. Piper Verlag, 318 Seiten. 38.00 DM . ISBN: 3-492-04362-3

Karin  Fossum: Stumme Schreie

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Krimis aus Skandinavien sind angesagt. Mord und Totschlag aus den kalten und eher kahlen Ländern nördlich von Flensburg scheinen dabei eine Balance von Vertrautem und gleichzeitig Fremden zu versprechen. Nun liegt ein neuer Krimi der norwegischen Schriftstellerin Karin Fossum vor: "Stumme Schreie".


Drei Krimis von Karin Fossum gibt es bisher in deutscher Übersetzung, doch so richtig hat sie den Durchbruch bei uns noch nicht geschafft. Das mag daran liegen, dass Fossum weniger klassische Krimis schreibt, denn Romane mit einer kriminalistischen Bodenhaftung. Stoffe also, in denen es durchaus einen Mord und später auch einen Kommissar gibt; jedoch liegt ihr Hauptinteresse in der Beschreibung des Zusammenpralls von verschiedenen Lebensweisen und Milieus, die schließlich zu einer Tat führen. Nun ist ein weiterer Roman von ihr erschienen und es könnte sein, dass Karin Fossum in der Popularitätsliste mit ihrer Kollegin Anne Holt gleichzieht; endlich und verdientermaßen.

„Stumme Schreie“ heißt das neue Werk und man sollte nicht lange darüber nachdenken, ob Schreie stumm sein können und wie sich das möglicherweise anhören könnte. Besser wirft man einen Blick auf die ersten Seiten und sucht sich dann ein Eckchen, um die nächsten Stunden ungestört zu sein. Denn – und das sei versprochen – dieser Kriminalroman ist spannend und mitreißend und ans Herz gehend und klug dazu.

Also von vorn: Erzählt wird die Geschichte von Gunder Jomann, einem Verkäufer für Landmaschinen, einem Junggesellen. Erzählt wird die Geschichte von Poona Bai, einer Restaurantbediensteten, alleinstehend. Erzählt wird die Geschichte, wie Gunder Jomann aus Norwegen Poona Bai in Indien kennenlernt. Und erzählt wird auch die Geschichte, wie Gunder Jomann daheim darauf wartet, dass Poona Jomann endlich an der Haustür klopft und er ihr den schweren Koffer mit ihren Habseligkeiten abnimmt. Dieses ist die traurigste Geschichte, denn dieses wird niemals geschehen. Während Gunder noch auf Poona wartet – und später verstört die Radionachrichten abschaltet – beugt sich Karin Fossums Kommissar Konrad Sejer über den leblosen Körper einer unbekannten Frau, die im Gras am Rande eines kleinen Dorfes in der norwegischen Provinz liegt.

Eine nächtliche Landstraße, ein Dorf voller schweigsamer Gestalten, die im Dorfkrug hocken, das kann – wenn man es nicht kann – schnell abgleiten in einer der üblichen Gruselgeschichten von den depperten Hinterwäldlern, deren Leben still steht und die nicht zuletzt durch irgend ein dunkles Geheimnis aus noch dunklerer Vorzeit aneinander geschmiedet sind. Doch Karin Fossum unterläuft dieses Klischee gekonnt und geschickt: Sie skizziert vielmehr das Leben einer Dorfgemeinschaft, die in viele, lose Personen zerfällt. Alle wie sie da sind, sind selbst haltlose Menschen, die es vermeiden müssen, das was geschehen ist, an sich heran zu lassen. Mit dem eigenen psychischen und physischen Überleben mehr als beschäftigt, bleibt wenig Platz für Mitleid und Anteilnahme am Leben anderer; Voraussetzung, um eine Tat vielleicht ganz unabsichtlich zu verhindern oder wenigstens später aufzuklären. Fossum unterlegt all dies mit einem ganz eigentümlichem Ton der Lakonie. Es geht ihr nicht ums Richten oder gar Aburteilen. Sie schaut hin, beobachtet, denkt noch einmal nach und – und das ist ihr als Autorin hoch anzurechnen – spürt so die Einsamkeit und Verzweiflungen gerade der männlichen Protagonisten in all ihren Feinheiten und Verästelungen auf. Vom äußerlichen Rahmen her schreitet die Handlung unbarmherzig voran, gebremst durch die von der Autorin eingelegten Pausen und Nebensträngen, die es mit ihren Helden keinesfalls böse meint. Doch auch so lässt es sich schließlich nicht vermeiden, dass Gunder Jomann dem Kommissar die Tür öffnet, um zu erfahren, was er immer noch nicht wahrhaben will.

Textauszug:
„Das Licht der Leselampe wärmte seinen fast kahlen Schädel. Im Weltatlas fand er Indien und die größten Städte. Madras, Bombay, Neu-Dehli. Am liebsten wäre ihm eine Stadt am Meer gewesen. Viele Inder sprachen Englisch, das fand er beruhigend. Einige waren sogar Christen, wie Gunder in „Völker dieser Erde“ las. Es wäre wirklich das allergrößte Glück, eine Christin zu finden, die dazu noch Englisch sprach. Ob sie zwanzig oder fünfzig wäre, würde keine Rolle spielen. Mit Kindern rechnete er nicht, er war nicht anspruchsvoll, aber wenn sie eines hätte, wäre das auch kein Problem. Vielleicht würde er sie ja kaufen müssen. In anderen Ländern konnten ganz andere Sitten herrschen als in Norwegen, und wenn es etwas kostete, dann würde er auch bezahlen.“






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