Tibor Fischer

Ich raube, also bin ich

Roman. Rowohlt Berlin, 416 Seiten. ISBN: 3-87134-258-0

Tibor  Fischer: Ich raube, also bin ich

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Was geschieht, wenn sich ein Autor einen gescheiterten englischen Philosophen ausdenkt, der folgende Eigenschaften hat: er ist Mitte Fünfzig, fettleibig, faul, alkoholabhängig und hat neben Frauen nur griechische Philosophie im Kopf? Es entsteht eine Klamotte, denn erschwerend kommt noch hinzu, daß dieser Philosoph in Südfrankreich auf Bankraubzug geht. Das sei alles sehr an den Haaren herbeigezogen? Es kommt noch dicker: Sein einarmiger und einbeiniger Compagnon, der außerdem als Bluter an AIDS leidet, dennoch ein heiterer Geselle ist, macht aus den Raubzügen furiose Kabarettnummern. Einer Bank, deren Bares sich auf bescheidene 4000 Francs beläuft, schenkt er einfach ein Vielfaches. Als die Beiden einem anderen Räuberduo ins Gehege kommen, fordert er seine Kollegen zu einem seltsamen Duell, und außerdem kündigt er die Überfälle vorher in der Presse an. Dazwischen werden aberwitzige Episoden aus dem Leben des Philosophen Eddie Coffin gestreut, der sich durchs Dasein gemogelt hat, in dem er Stipendien veruntreut und Verlagsvorschüsse versoffen hat. Einer der grotesken Höhepunkte ist Coffins Versuch, mittels eines Mediums Informationen über das zu bekommen, was nach dem "Großen Vorhang" passiert. Der herbeizitierte griechische Lyriker hat aber nichts anderes zu tun, als fluchend an seinem Medium herumzugrabschen und dieses zu veranlassen, zwei Flachmänner in ihre Nasenlöcher zu entleeren.
Die Slapsticknummern werden ergänzt um Ausflüge in die griechische Philosophie, die auch nicht gerade ernstzunehmen sind. Eddie Coffin hat eine Vorliebe für den Buchstaben "z", dem wichtigsten Buchstaben des griechischen Alphabets. Also würzt er seine Mono- und Dialoge mit entlegenen Fremdwörtern, die mit "z" beginnen. Diese zu enträtseln hilft gelegentlich das Glossar. Wie in seinem Leben schwankt Coffin in seiner Sprache zwischen Gosse und Hörsaal, zwischen Suff und Sokrates. Der Übersetzer muß bei seiner Arbeit mächtig ins Schwitzen gekommen sein. "Aphorismen" wie: "Wenn's um das nackte Überleben geht, sollte man nicht dumm aus der Wäsche gucken", sind noch harmlos. Die zahllosen Kalauer (eine Bank ist eine "Peep-Show der Piepen") müssen die Übersetzung zur Tortur gemacht haben.
Tibor Fischers zweiter Roman ist nicht mehr und nicht weniger als eine Klamotte in der Tradition von Monty Python. Wer akzeptiert, daß das Buch ein Riesen-Schabernack ist, wird vorzüglich bedient. Matthias Kehle






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