Anne Fine

Mutterglück

Roman. Diogenes, x. ISBN: 3-257-23013-3

Anne  Fine: Mutterglück

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Resigniert seufzt Caspar. Es ist doch jedesmal wieder das Gleiche, wenn er mit seinem um 20 Jahre jüngeren Lebensgefährten William in dessen altes Zuhause fährt. William und seine Geschwister Barbara, Tory und Gilly sind immer wieder entsetzt, daß der Garten ihrer Kindheit immer weiter zurückgedrängt wird, daß ihre Mutter Lilith Collet jedesmal wieder eine Hecke ausgerissen, einen Strauch gestutzt, ein Blumenbeet dem Erboden gleichgemacht hat.

Diesmal jedoch hat Barbara eine Neuigkeit. Sie will heiraten, und zwar Miguel-Angel, einen Spanier, der im benachbarten Hotel als Kellner arbeitet. Und sie will im alten Garten, ihrem alten Zuhause heiraten. Doch Lilith läßt nicht mit sich reden - auf keinen Fall würde sie das zulassen.

Durch Zufall findet Caspar noch an diesem Nachmittag heraus, was wohl die Ursache für diese Weigerung sein könnte - Lilith hat den Garten an das angrenzende Hotel verkauft, Chalets sollen darauf gebaut werden. Keines der Kinder würde das zulassen, sollten sie davon erfahren.

Doch Lilith ist der Meinung, sich lange genug für ihre Familie aufgeopfert zu haben. Hat sie nicht auch ein Recht darauf, einmal so zu leben, wie sie es selber will?

Auch Caspar befindet sich in einem Zwiespalt. Wenn er mit seiner Neuigkeit zu den Geschwistern kommt, kann die endgültige Zerstörung des Gartens wohl verhindert werden. Das würde aber auch heißen, daß William auch in Zukunft nicht davon loskommen wird - so beschließt er, zu schweigen. Aber zumindest Barbaras Hochzeit will er ausrichten - in eben dem benachbarten Hotel, das wäre so gut wie zu Hause, meint er.

Der Verlobte gefällt ihm ausnehmend gut - und vor allem auch seine Art und Weise, Barbara von der Abhängigkeit der Familie zu entwöhnen. Sie verändert sich laufend vor seinen Augen - nimmt ab, kleidet sich besser, und strahlt endlich so richtig.

So findet die Hochzeit dann auch statt - und birgt noch eine Menge Überraschungen für alle Gäste!

Der Humor in diesem Buch kommt immer versteckt, und er ist beinahe immer tiefschwarz. Zumindest zu Beginn.

Doch mittendrin entdeckt man plötzlich, daß man nicht nur ein vergnügliches Buch liest, und findet eine Menge Kleinigkeiten, über die nachzudenken sich lohnt - gerade die Meinung der Mutter, es wäre schön langsam Zeit für ihre Kinder, einen anderen Ort als ihr Zuhause anzusehen, und zu akzeptieren, daß sie im Haus ihrer Kindheit einfach nicht mehr zu Hause wären.

Wobei mir wiederum besonders gut gefallen hat, daß die Mutter auch nicht gerade als Heilige beschrieben wird; ihre Grausamkeiten, ihre Art und Weise, zum Beispiel die Homosexualität ihres Sohnes einfach zu ignorieren, sind ganz toll beschrieben.

Zu Beginn war ich zwar etwas enttäuscht, da ich bereits zwei andere Romane von Anne Fine gelesen habe, und hier erstmal den Humor wirklich suchen mußte, genau wie auch die Aufregung um diesen Garten. Aber nach dem ersten Besuch bei Lilith hats mir dann so richtig Spaß gemacht. Und, was soll ichs verhehlen - ich bin ein Fan von Anne Fine geworden, ich liebe ihren schwarzen Humor, und ihre Sprache. Trotzdem waren "Killjoy" und "Wer dem Teufel glaubt" besser.


Daniela Ecker






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