Ludwig Fels

Mister Joe

Bestseller. Luchterhand Literaturverlag, München. ISBN: 3-630-86972-6

Ludwig  Fels: Mister Joe

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Von Ludwig Fels ist man Hartes gewohnt. Auch sein neuer Roman Mister Joe nimmt ein knallhartes, zudem höchst aktuelles Thema auf. Gleich auf den ersten Seiten führt er den Leser nach Manila und Olangapo, auf den berühmtesten Huren- und Kinderstrich der Philippinen, vielleicht das dreckigste Paradies auf Erden. Dort sind die Leute so arm, daß sie für Geld alles tun und alles verkaufen, auch sich selbst, und das Leben eines Kindes ist nicht mehr wert als das Leben eines Hundes oder einer Ratte. Hinter der Kulisse des geilen Elends stehen die Drahtzieher des Geschäfts, die Herren über Mädchen, Drogen, Waffen, international organisiert. Sie tun alles für die Macht, so wie die reichen weißen Kinderschänder alles für die Lust tun, zu jeder Unmenschlichkeit bereit.

Sextourist Kerr, genannt Mister Joe, hat das Pech, daß die kleine Rosario seine Mißhandlungen nicht überlebt. Das hätte weiter keine Folgen, wenn nicht Rosarios Freund Mike mit Hilfe des Paters Yud die widerstrebende Polizei auf seine Fährte setzte. Der Fall erregt internationales Aufsehen. Kerr wird allerdings freigesprochen, man möchte die Touristen anderer Kulturvölker nicht verschrecken. Zu Hause erwartet Kerr nicht nur seine klebrig-gluckende Mutter, sondern auch Petruzalek, Mitarbeiter des Sittendezernats und, was Liebe und Menschlichkeit angeht, desillusioniert bis auf die Knochen. Von seiner Frau verlassen, ist er selbst Säufer und Schläger. Aber daß so einer wie Kerr ungeschoren davonkommen soll, das kann er nicht hinnehmen, vielleicht weil er selber eine Tochter hat. Auch Mike, Rosarios Freund, der von den Mächtigen als Drogenkurier in Kerrs Heimatstadt geschickt wird, bleibt Kerr auf den Fersen und bereitet seine Rache vor wie eine heilige Pflicht.

Die Handlung entwickelt sich nun nach Art eines Rauschgiftthrillers, oft ziemlich undurchsichtig, auch unwahrscheinlich, mit immer wiederkehrenden Szenen von bestialischer Grausamkeit und Perversion. Beim Showdown am Schluß treffen die Hauptfiguren aufeinander, Männer alle, und alle, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, zu äußerster Gewalt bereit. Petruzalek hat Glück. Er überlebt, ohne selbst zum Mörder geworden zu sein. Er hat ein Kind gerettet und eine Frau gefunden, deren Liebe ihn trägt.

Hinter der geballten Männerbrutalität ist die Liebe das eigentliche Thema des Romans: Ohne Liebe ist der Mensch ein Krüppel. Tief aus den Abgründen seiner Männerseelen holt Ludwig Fels ihre Schwäche ans Licht, ihre Unfähigkeit, zu lieben. Sie sind trostlose, innerlich zerfressene und abgestorbene Existenzen, sie zerstören, was sie brauchen, Liebe, Gefühl, und betäuben die Leere mit Sex und Gewalt. Eine äußerst schwarze Sicht der Dinge, aber überzeugend dargestellt. Demgegenüber sind die Frauen des Romans etwas blaß geraten, Kerrs Mutter als söhnefressender Moloch zu einer abstoßenden Karikatur. Am besten ist Fels die Figur des Paters Yud gelungen - des irischen Dickschädels, der es selbst im Morast von Olangapo noch nicht aufgegeben hat, den Ärmsten der Armen zu beweisen, daß sie die liebsten Kinder Gottes sind. Manchmal allerdings macht Gott Pause, und nach der Beerdigung der kleinen Rosario findet Pater Yud, daß Gott nicht mehr das ist, was er einmal war. Trotzdem spielt Gott eine tragende Rolle in dem Roman, eine andere Alternative zum bestehenden Elend gibt es nicht. Fels´ Männer sind im Grunde unterwegs, auf einem inneren Weg dargestellt, aber nur einer, Petruzalek, hat die Hoffnung, anzukommen. Mike verpaßt seine Chance und wird einer von ihnen, eine der gefühllosen Exekutions-maschinen, weil er die Rache nicht Gott überlassen will.

Fels´ Sprache ist prägnant, oft gnadenlos klar und der Härte seines Gegenstands jederzeit gewachsen. Wie Löwenzahn durch den Asphalt bricht dazwischen der religiöse Subtext durch, in eindrucksvollen, oft verqueren Lyrikblüten (Die Jockeys der Apokalypse galoppierten mit Karacho über die Aschenbahn seiner Gefühle). Ganz weich wird der harte Fels, wenn es um das mißhandelte Kind, um sein eigentliches Anliegen geht: Als Rosario starb, schliefen die Engel.

Eva Leipprand






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