Gregor Eisenhauer

Antipoden. Ernst Jünger und Johann Wolfgang von Goethe.

Sach. Niemeyer, ISBN: 3-484-32099-0

Gregor  Eisenhauer: Antipoden. Ernst Jünger und Johann Wolfgang von Goethe.

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Eine von Ernst Jüngers späten Sehnsüchten hieß Johann Wolfgang von Goethe. Wie der Geheimrat aus Weimar wollte auch der Krieger aus Wilflingen bereits zu Lebzeiten mehr als nur der Urheber seiner Werke sein.
Jünger, wie kaum ein zweiter deutscher Schriftsteller gleichermaßen gehasst und vergöttert, sah sich als Chronist und Spiegel seiner Zeit. Ein biblisches Alter habe er erreicht, vermeldet er gleich zu Beginn seiner späten Tagebücher "Siebzig verweht" –  Anlass genug für ihn, um nunmehr forciert als Künder und Mahner aufzutreten und seine Geistesleistungen – wie weiland Goethe – in beinahe industriellem Ausmaß zu archivieren.
Als Autor in der Katastrophe des Ersten Weltkrieges geboren, legte er mit "In Stahlgewittern" oder "Der Arbeiter" Werke hin, die das Infernalische als Abenteuer ästhetisierten und die Weimarer Republik als untaugliches Notkonstrukt mitsamt der ihr innewohnenden Demokratie wegwischten. Gewandelt hat er sich später, dementiert nie – Jünger zog sich statt dessen blasiert in die Einsamkeit zurück.
Oft seien es glückliche Zufälle gewesen, schreibt in einem Essay Gregor Eisenhauer, denen Goethe und Jünger ihr Werk verdankten. Ab einer gewissen Zeit entwickelte sich aus der Summe der Einzelteile des Lebens und Wirkens ein Selbstlauf: eine "Aura des Außerordentlichen gibt jedem ihrer Gedanken, jedem ihrer Worte einen eigenen Glanz … und die Allüren des Alters gelten nichts mehr im Angesicht des Erreichten."
Beide waren sich dessen bewusst, aber im Gegensatz zu Goethe, dessen Reflexionen nur einen Teil seines Œvres ausmachten, geriet Jüngers Wirken zunehmend zur permanenten Sebststiliserung nostalgisch-konservativen Charakters. Eisenhauer versucht, die Vergewisserungen und Aufklärungsversuche Jüngers und Goethes parallel zu schalten und dort Vergleichbares zu gewinnen, das zunächst nichts eigentlich Vergleichbares zeigt. Er arbeitet nacheinander einzelne Facetten der Dichter heraus, die deren Selbstverständnis und Absichten deutlich machen.
Beide betrieben die Manifestation ihres Ichs durch die Beobachtung der Zeit. Diese Sicht war weitgehend eliminatorisch – und blieb es bewusst. Während Goethe aber, zudem von Aufgaben gehetzt, seinen Aufzeichnungen oft lakonische, nicht immer auf literarische Finesse zielende Züge verlieh, übte sich Jünger am Pathos eines Grandseigneurs, der, wenn schon nicht geistreich, so doch wenigstens kryptisch sein wollte. Er ergoss sich in orakelnden Deutungen, die die goethesche "Dialektik des Selbstbetrugs" noch überboten und zudem aus der Ideenwelt einer Transzendenz des Ursprünglichen stammten. Was bleibt, so sein Briefpartner Heinz Ludwig Arnold postum, ist ein "’Philosophieren’ ohne systematische Analytik und bar jeder Verbindlichkeit". Am bloßen Vollzug metaphysischen Dünkels reibt sich auch Eisenhauer: Jüngers Notizen verkommen auf Dauer zum "Spektakel des Immergleichen …, das allenfalls zu solipsistischen Stilübungen taugt."
Eisenhauers Analyse der ‘Antipoden’ Goethe und Jünger ergibt zwei aufschlussreiche Porträts der Dichter, von denen der eine souveräner, der andere mit mehr aristokratische Attidüde versehen war. Besonders sein Blick auf Jünger ist interessant, da er ihn erst als Mensch vor ‘moralisierenden Vatermördern’ zu retten, um ihn dann als Schriftsteller zu dekonstruieren. Die Moral folgt später, oft gelassen, manchmal auch mit trainierter polemischer Peitsche. Gelegentlich allerdings verliert sich auch  Eisenhauer ‘im Planetarischen’: nämlich dann, wenn er seine Ausdeutungen in allzu akademische Sprachgebirge führt.

(Im Buch findet sich ein weiterer Essay zu den Antipoden Rudolf Borchardt und Hugo von Hofmannsthal.)

Ron Winkler






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