Arthur Conan Doyle

Neue Fälle von Sherlock Holmes & Dr. Watson (Audio)

CD. Audio Verlag, Berlin. 5 Seiten. 19.95 EUR . ISBN: 3-89813-464-4

Sechs Holmes-Fälle für Sammler und Einsteiger
Arthur Conan  Doyle: Neue Fälle von Sherlock Holmes & Dr. Watson (Audio)

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Die fünf CDs bieten sechs Fälle des Meisterdetektivs, die jeweils als Hörspiel in den sechziger Jahren vom Saarländischen bzw. vom Bayerischen Rundfunk mit Profi-Sprechern produziert wurden. Leute wie Horst Tappert („Derrick“), Martin Benrath, Peter Pasetti oder René Deltgen kennt man zwar heute kaum noch, aber damals waren sie vielbeschäftigte Schauspieler. Ihre Qualität kommt dem Hörspiel zugute.

Der Autor
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Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: "The Lost World" erwies sich enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt.

Die Sprecher und Sprecherinnen
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Alle fünf Hörspiele wurden von Michael Hardwick bearbeitet, diese Vorlagen übersetzten dann Ruth von Marcard und John Lackland aus dem Englischen. Die Vorlagen gab es also schon zum Teil Jahre vor der Übersetzung. Die Aufführungen bei den Sendern Saarländischer Rundfunk und Bayerischer Rundfunk erfolgten zwischen 1960 und 1968. Daraus ergeben sich auch ganz unterschiedliche Besetzungslisten, und es ist wenig sinnvoll, diese herunterzubeten. Nur die wichtigsten Rollen seien vorgestellt.

Sherlock Holmes: Alexander Kerst, Peter Pasetti

Dr. Watson: Heinz Leo Fischer, Klaus Behrendt, Erik Schumann

In weiteren Rollen hören wir: Horst Tappert, René Deltgen, Martin Benrath, Hans Caninenberg, Horst Sachtleben (ein damals bekannter Synchronsprecher für Hollywoodfilme), Fritz Rasp (als Butler Ralf in „Der kreidebleiche Soldat“) und viele andere.

Handlung von „Das Geheimabkommen“
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Holmes und Dr. Watson werden zum Krankenbett von Percy Phelps gerufen, einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes (AA) Ihrer Majestät. Percy kennt Watson noch von der Schule, deshalb ist der Empfang relativ herzlich. Wo drückt der Schuh? Percy sind die Dokumente eines eminent wichtigen Flottenabkommens mit Italien aus seinem Büro gestohlen worden. Das war vor zehn Wochen. Dabei hatte ihm sein Onkel Lord Holdhurst, der derzeitige Außenminister, ihm erstmals einen wichtigen Auftrag gegeben. Und nun das! Die Sorge warf ihn aufs Krankenbett, und erst jetzt, gepflegt von seiner Verlobten Miss Harrison, ist er halbwegs wiederhergestellt.

Wer würde ein Geheimdokument stehlen und wozu? Der Dieb würde versuchen, die Dokumente an eine ausländische Macht zu verkaufen und unweigerlich würde auch die Presse Wind von dessen Inhalt bekommen. Weil aber bislang in den Medien nichts darüber zu lesen war, vermutet Holmes stark, dass die Dokumente momentan gar nicht im Besitz des Diebes sind. Doch die Zeit drängt: Bald wird die Regierung eine offizielle Erklärung dazu abgeben. Dann sind die Dokumente auf dem Markt nichts mehr wert.

Der Dieb muss rasch reagieren. Holmes legt sich auf die Lauer und erwartet ihn. Er erlebt eine Überraschung.

Handlung von „Der Mazarin-Stein“
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Dr. Watson erzählt, dass Holmes neuerdings einen Butler namens Billy habe. Dieser hat ihm anvertraut, dass Mr. Holmes gerade an dem Fall eines Diebstahls arbeite, bei dem ein Kronbrillant namens Mazarin-Stein entwendet wurde. Und neuerdings habe der Meisterdetektiv eine Wachsfigur von sich selbst so aufstellen lasse, dass man sie von der Baker Street aus sehen könne, doch meist sei sie durch einen Vorhang verborgen. Dr. Watson besucht seinen Freund. Holmes erwartet, demnächst ermordet zu werden. Von einem gewissen Graf Nigretto Sylvius und seinem Schläger Sam Merton. Watson ist schockiert.

Der Graf wird angemeldet, und Holmes schickt Watson vorsichtshalber weg. Wer weiß, wozu der Verbrecher fähig ist. Sein Schläger ist bestimmt auch nicht weit. Tatsächlich verbirgt in des Grafen gestock ein Luftgewehr und in seiner Rocktasche ein Revolver. Doch auch Holmes ist bewaffnet. Er fordert Auskunft, wo das geklaute Juwel ist und wird ausgelacht. Doch Holmes hat den tathergang anhand von Zeugenaussagen rekonstruiert und weiß von einem Juwelier, dass der Graf den Stein immer noch in seinem Besitz hat. Den Stein – oder 20 Jahre Zuchthaus.

Während der Graf mit Sam Merton eine List ausknobelt, hören sie Holmes vernehmlich im Nebenzimmer Geige spielen. Der Wachspuppe hinter dem Vorhang schenken sie keine Beachtung. Was sich als fataler Fehler erweisen soll.

Handlung von „Der kreidebleiche Soldat“
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(Dieses Hörspiel wird mit klassischer Tanzmusik eingeleitet, was sich angesichts des Themas – Lepra – als reichlich makabrer Einfall erweist.)

Dr Watson will endlich heiraten und sich mit einer Praxis im feinen Londoner West End niederlasse. Übers Heiraten kann Holmes nur den Kopf schütteln. Er hat ja seine treue Mrs. Hudson als Köchin und Haushaltshilfe sowie Billy als Butler. Den nächsten Fall bearbeitet er ohne Watsons Beisein. Sein Biograph bekommt die Geschichte dann eben hinterher zu hören.

Holmes bekommt Besuch von Mr James Dott, einem ehemaligen Soldaten, der in Südafrika gegen die Buren gekämpft hat, um die Kapkolonie für die britische Krone zu erobern. Das sei 1901 gewesen, berichtet Dott, und mit von der Partie war Godfrey Amesworth, der zu seinem besten Freund wurde. Allerdings wurde Godfrey verwundet, man wurde getrennt, und seither hat Dott ihn nicht wieder gesehen. Das war vor sechs Monaten. Seitdem kein Wort von ihm.

Daher beschloss Dott, Godfreys Vater, Oberst Amesworth auf dessen Landsitz in Tuxbury Old Park zu besuchen. Doch der Oberst erwies sich als unglaublich abweisend. Dott solle seine Nachforschungen einstellen, Gidfrey sei auf einer Weltreise, und dies sei eine reine Familienangelegenheit, die ihn nichts angehe. Wenigstens darf Dott übernachten, und so kann er Ralf befragen, den Butler, der quasi Godfreys Pflegevater war. Ralf bestätigt Godfreys Tod nicht, aber auch nicht dessen Weltreise. Hier ist etwas oberfaul.

Am nächsten Tag sieht Dott am Fenster das Gesicht seines Freundes. Es ist kreidebleich wie das eines Gespenstes. Schnell ist es wieder verschwunden, als sei sich Godfrey einer Schuld bewusst. Dott sucht den Garten ab und gelangt zu einem kleinen Haus an dessen Ende. Der mann, der heraustritt und die Tür sorgfältig abschließt, sagt ebenfalls, Godfrey sei verreist, doch insgeheim beobachtet er Dott aus den Büschen. Da ertappt der Oberst seinen gast beim Spionieren und wirft ihn achtkantig raus. Tja, nun kann nur noch Sherlock Holmes helfen. Worin besteht das Geheimnis des kreidebleichen Soldaten?

Handlung von „Das getupfte Band“
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Holmes weckt Watson aus dessen Schlummer, denn sie haben wieder eine Klientin. Im Wohnzimmer hat eine tief verschleierte Frau Platz genommen, die sich als Helen Stoner vorstellt. Als sie den Schleier lüftet, blickt ihnen ein kaum dreißigjähriges, leidgeprüftes und blasses Gesicht entgegen. Das Haar wird bereits von grauen Strähnen durchzogen. Was hat so viel Leid hervorgerufen, fragt sich Watson, der Chronist. Man schreibt den April des Jahres 1883.

Sie habe Todesangst, erzählt sie. Dabei will sie in zwei Monaten heiraten. Ihr Verlobter hält ihre Ängste für Einbildung, doch sie hat guten Grund dafür: Ihre Schwester Julia ist bereits an einer unbekannten Ursache im Zimmer nebenan gestorben. Niemand weiß, wodurch. Helen bittet Holmes um Rat.

Der Detektiv sagt sein Kommen zu, denn er nimmt den Fall ungewöhnlich ernst. Und mit Recht, denn kaum ist die junge Frau wieder gegangen, erscheint Dr. Roylet, ihr Vater, unter dem sie offenbar zu leiden hat. Sein jähzörniges und grobes Auftreten sowie die Drohungen, die er gegen Holmes, sollte er sich einmischen, ausstößt, charakterisieren ihn vollständig als gefährlichen Choleriker. Er hat in Indien seinen einheimischen Diener erschlagen, musste ins Gefängnis und danach den Subkontinent verlassen. Und wer weiß, was er an gefährlichen Dingen aus Indien, wo er Helens inzwischen verstorbene Mutter kennenlernte, mitgebracht hat?

Als Holmes mit Watson und Miss Helen den Tatort untersucht, fallen ihm verschiedene Merkwürdigkeiten auf. Es werden noch sehr viel mehr, als es ihnen gelingt, auch Dr. Roylets Arbeitszimmer in Augenschein zu nehmen. Durch Renovierungsarbeiten, die lediglich einen Vorwand bilden, ist Helen gezwungen, im gleichen Zimmer wie das Todesopfer zu nächtigen. Als sich Watson mit Holmes nachts auf die Lauer legt, ist ziemlich klar, dass der Detektiv mit einem weiteren Mordanschlag rechnet. Vorsichtshalber hat er einen Revolver mitgenommen - bei Leuten wie Dr. Roylet muss man auf alles gefasst sein.

Im entscheidenden Moment dringen seltsame Laute und Schreie aus den Zimmern. "Vorsicht, Watson - es besteht höchste Gefahr!" flüstert Holmes, als sie ins Haus eindringen. Denn natürlich kennt Holmes bereits die Lösung des Rätsels.

Handlung von „Der Daumen des Ingenieurs“
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An Dr. Watsons Wohnungstür klopft es. Ein Schaffner der Eisenbahn vom nahen Paddington-Bahnhof bringt einen jungen Mann zur Behandlung. Der Ingenieur Victor Hatherley hat eine verwundete Hand: Der Daumen wurde abgetrennt. Rechtzeitig ist es ihm gelungen, die Blutung zu stoppen. Doch was der Schaffner einen „Unfall“ nennt, bezeichnet Hatherley als Mordanschlag. Das ist natürlich ein Fall für Sherlock Holmes.

Hatherley berichtet, dass er mutterseelenallein auf diesem Planeten lebt und sich sein Brot mit Beratungsarbeiten und dergleichen verdient. Eines Tages kam ein Mann in sein Büro in der Victoria Street und tat sehr geheimnisvoll. Er stellte sich als Oberst Lysander Stark vor: Hatherley könne 50 Pfund in einer Nacht verdienen, sofern er Diskretion bewahre und nicht kommende Nacht nach Iford in Berkshire hinauskomme. Dort solle er eine hydraulische Presse untersuchen. Nach etwas Hin und her willigte Hatherley ein. Die Sache kam ihm seltsam vor, aber er brauchte das Geld.

In Iford fuhren sie an die zwölf Meilen mit einem geschlossenen Pferdekarren übers Land, bis sie an einem Haus ankamen, wo eine junge Frau ihnen mit einer Lampe leuchtete. Kaum war Stark kurz weg, warnte die junge Frau Hatherley eindringlich, so schnell wie möglich zu verschwinden, denn sein Leben sei gefahr. Zu spät! Schon kam Mr Fergusons, Stark Kompagnon, ins Zimmer und führte Hatherley zur hydraulischen Presse, die so groß ist, dass man hineingehen kann.

Der Mann vom Fach findet den Schaden sofort: ein verfaulter Dichtungsring. Und wegen dieser Lappalie hat man ihn geholt? Deshalb stellt er ein paar neugierige Fragen, die gar nicht gut ankommen. Die zwei Gentlemen Stark und Ferguson verschließen die Tür zur Presse und setzen die Maschine in Gang! Es ist offensichtlich ein Anschlag auf sein Leben. Hätte die junge Frau ihm nicht das Leben gerettet, könnte er jetzt nicht Sherlock Holmes um Hilfe bitten. Wer um Himmels willen waren diese Ausländer?

Handlung von „London im Nebel“
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Ende Oktober 1895 liegt ein dicker gelber Nebel über der Themse-Metropole. Dr. Watson kann kaum die andere Seite der Baker Street sehen. Holmes meint, das sei für Verbrecher eine ideale Tarnung. Er soll Recht behalten.

Sein Bruder Mycroft, ein Staatsdiener mit weitreichenden Verbindungen, trifft zusammen mit Scotland-Yard-Inspektor Lestrade ein. Der Beamte Arthur West wurde tot auf den Gleisen der U-Bahn nahe Aldgate (City) aufgefunden. Die geheimen Baupläne für ein neues U-Boot, die er bei sich hatte, waren zuvor gestohlen worden. Allerdings sind es nur sieben von insgesamt zehn Plänen, die man vermisste. Wo ist der Rest?

Mycroft bittet seinen Bruder, ihnen zu helfen, die Dokumente wiederzubeschaffen und den Täter zu fassen. Als erstes fordert Sherlock eine Liste aller ausländischen Spione an, und nach einer Inaugenscheinnahme von Fundort und Leiche besucht er Violet Westbury, die Verlobte des toten West. Sie verteidigt seinen guten Ruf und erzählt von jenem verhängnisvollen Abend, als sie mit ihm ins Theater wollte, er aber auf der Höhe seines Bürogebäudes plötzlich mit einem Ausruf verschwunden sei. Offenbar verfolgte West den wahren Dieb und bezahlte seine Tapferkeit mit dem Leben.

Es führt kein Weg dran vorbei: Sherlock Holmes muss einen Einbruch im noblen West End ausführen. Und Dr. Watson merkt etwas zu spät, um was es dabei in Wirklichkeit geht.

Mein Eindruck
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„Das Geheimabkommen“

Was tut man nicht alles für einen Schulfreund und fürs britische Vaterland! Watson und Holmes hängen sich gleichermaßen rein, doch Holmes kommt zu einer verblüffenden Lösung. Das ist durchaus spannend. Was mich aber störte, ist die Behauptung, jemand könne neun Wochen lang mit einem „Nervenfieber“ darniederliegen. Das kommt besonders im Lichte heutiger Behandlungsmöglichkeiten recht unwahrscheinlich vor. Aber vor 100 Jahren kann ja alles ganz anders gewesen sein.

„Der Mazarin-Stein“

Holmes stellt eine verblüffende neue Verhörmethode vor: die Ganzkörperverkleidung. Mehr darf aber nicht verraten werden. Seinen Juwelendieb schnappt er natürlich auf jeden Fall. Auffällig ist an diesem minimalistischen Hörspiel, dass der Schauplatz nur ein einziger Raum ist. Es ist dementsprechend recht kurz: rund 20 Minuten.

„Der kreidebleiche Soldat“

Welche Art von Krankheit ist so schrecklich, dass der Betroffene quasi vor der Außenwelt abgeschirmt und verleugnet werden muss, ja, sogar vor seinem besten Freund und Kampfgefährten? Der Autor greift hier die Ausgrenzung des Aussätzigen auf und gemahnte mich dabei an jene bewegenden Szenen aus dem Film „Ben Hur“, in dem Charlton Heston auf das Lager der Leprakranken stößt. Holmes ruft jedoch den anerkannten Experten auf diesem Feld herbei und löst durch den Befund allgemeine Erleichterung aus. Es liegt also nicht im eigentlichen Sinne ein Verbrechen vor, und Dr. Watson tritt ebenfalls nicht auf. Das macht diesen Fall relativ ungewöhnlich.

"Das getupfte Band"

Mit großer Freude habe ich diese Story angehört, denn auch hier handelt es sich wieder einmal um ein Beispiel des "Locked room mystery", das bei Autor Doyle so beliebt war (siehe "Das Zeichen der Vier"): Obwohl Helen Stoners Schwester wohlbehütet eingeschlossen war, ist sie am nächsten Morgen mausetot. Um dieses Rätsel zu lösen, ist natürlich kein Geringerer als Sherlock vonnöten.

Bei seinem Vorgehen wirkt Holmes diesmal allerdings recht unorthodox, ja geradezu versessen darauf, ein wenig Action zu genießen. Obwohl er das Rätsel in Nullkommanix gelöst hat, muss er noch dem Täter das Handwerk legen. (Sicher spart die Polizei dadurch eine Menge Kosten für den Einsatz vor Ort.) Dazu ist a) eine Falle aufzustellen und b) der Köder zu platzieren. Sodann haben sich die beiden Jäger Holmes und Watson auf die Lauer zu legen, wobei sie der aggressiven lokalen Fauna ebenso aus dem Weg gehen müssen wie den in der Nähe kampierenden Zigeunern. Im entscheidenden Augenblick gilt es dann noch dem Köder - der zähneklappernden Helen Stoner - das Leben zu retten und dem Mordinstrument sorgfältig aus dem Weg zu gehen. Eine Menge Aufregung für nur eine Nacht!

Daher hat mir diese Story sehr gut gefallen, stehe ich doch auf Geschichten, in denen etwas passiert und die Handlung ordentlich vorankommt. Auch diese Geschichte basiert wieder einmal auf "culture clash", denn der Arzt Dr. Roylet hat eine Menge Fremdkörper aus Indien mit in seine Heimat gebracht, und das sind keineswegs seine beiden hübschen Töchter...

„Der Daumen des Ingenieurs“

Hier spielt der Autor mit den Tücken falscher Wahrnehmung und Schlussfolgerung. Holmes hat natürlich den richtigen Riecher und durchschaut, worum es im Grunde geht. Bemerkenswert ist an den Verbrechern, dass es sich wieder einmal um Ausländer handelt, wie schon in „Der Mazarin-Stein“ und „London im Nebel“. Der Technik-Laie wundert sich natürlich, dass es eine hydraulische Presse geben kann bzw. konnte (vor über 100 Jahren), in die ein Mann hineinspazieren kann, der dort eingeschlossen wird.

„London im Nebel“

Wieder schlagen ausländische Mächte zu. Doch diesmal steckt nicht Prof. Moriarty und seine Schergen dahinter, sondern ein Deutscher namens Oberstein. Zum Glück sind antideutsche Ressentiments in Doyles Werk selten, denn schließlich war der deutsche Kaiser Wilhelm II. ein enger Verwandter der Königin Viktoria. Nachdem diese 1901 gestorben war, änderte sich allerdings das allgemeine politische Klima – mit den bekannten Folgen.

Dieser Fall ist ebenfalls bemerkenswert, weil hier Mycroft auftritt, Sherlocks Bruder. (Über ihre Eltern erfährt man hingegen nichts, und beide haben keine Kinder.) Sherlock hält übrigens große Stücke auf Mycroft: Er sei ein Mann „mit einem systematischen Verstand“, der auch schon mal die Regierung vertrete. Und die Angebote zur Entlohnung, die Mycroft zu machen weiß, sind auch nicht von Pappe: zum Beispiel einen Adelstitel. Am Ende begnügt sich Sherlock mit einer Smaragdkrawattenndel von einer „sehr hochgestellten Persönlichkeit“, die in Windsor residiert. Na, dreimal darf man raten.

Die Sprecher & Inszenierung
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Die Sprecher sind allesamt Profis, die sich als Film- und/oder Bühnenschauspieler bewährt haben. Diese Profis kennt man heute kaum noch dem Namen nach, aber Peter Pasetti, René Deltgen, Martin Benrath und Hans Canineberg waren damals echte Stars. Horst Tappert wurde erst im Laufe seiner Serienauftritte im TV zu einem bekannten Gesicht, v.a. als Kommissar Derrick. Tappert hat im ersten Hörspiel „Das Geheimabkommen“ eine so kleine Rolle, dass ich ihn die meiste Zeit vergeblich gesucht habe. Frauenrollen gibt es durchaus eine ganze Reihe, aber ich könnte nicht sagen, dass eine der entsprechenden Sprecherinnen Starstatus hatte. Aus einem einfachen Grund: Die meisten weiblichen TV- und Filmstars waren vorher Models. Bei Hörspielen sind aber Schauspieler mit Bühnenerfahrung gefragt.

Musik und Geräusche

Alle Hörspiele liegen lediglich in Mono-Qualität vor, so dass der Höreindruck relativ bescheiden ist. Das macht aber der Plot meist wieder wett. Es gibt sehr viele Geräusche, und dafür brauchte man einen Tonmeister, damit die Sounds den Dialog nicht überlagerten. Einmal fährt eine Dampflok quasi direkt vor dem geistigen Auge des Zuhörers vorüber, und hierfür wäre ein Stereoeffekt sehr wünschenswert gewesen. Ansonsten sind Schreie, Klingeln, Hammer & Meißel sowie jede Menge Schritte zu hören. Schüsse fallen keine, was vielleicht bedauerlich erscheint, aber andererseits für die Effektivität von Holmes’ Ermittlungen spricht.

Über die jeweilige Intro-, Abspann- und Pausenmusik lässt sich zum Teil streiten. Sie stammt von den Komponisten Peter Zwetkoff und Konrad Elfers. Während Zwetkoff sich auf klassische, tanzähnliche Kompositionen verlässt, wagt sich Elfers schon in neutönerische Klangdimensionen vor. Ich fand Zwetkoffs heitere bis dramatische Motive nicht immer passend.

Unterm Strich
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Alle diese Hörspiele sind hinsichtlich ihrer Handlung lediglich gutes Mittelmaß, und man hat nichts verpasst, wenn man sie nicht kennt. Es geht hier meist nicht um Tote, sondern auffällig häufig um ausländische Agenten und Missetäter sowie um Opfer von Rückkehrern aus den Kolonien. Erzschurke Prof. Moriarty fehlt völlig.

Die Fälle sind häufig nicht besonders komplex, und die jeweiligen Hörspiele überschreiten niemals die Lauflänge von 45 Minuten. Das scheint damals eine Art Schallmauer gewesen zu sein, eventuell aus technischen Gründen. Heute kann man auf eine CD ohne weiteres 79 Min. Hörbuch packen.

Die Produktion ist immerhin durchweg professionell, was Musik, Geräusche und vor allem die Sprecher angeht. Die Mono-Tonqualität ist heute natürlich keineswegs mehr vertretbar. Insofern kann man die Hörspiele vor allem den Sammlern empfehlen oder Holmes-Einsteigern, die eine preiswerte Sammlung von Holmes-Fällen suchen.

Für den Neupreis von 20 Euronen bekommt man sechs Fälle. Allerdings ist die Laufzeit von knapp dreieinhalb Stunden, die man dafür bekommt, damit schon recht teuer bezahlt.

Michael Matzer © 2006ff

Info: diverse Titel und Erscheinungsdaten, alle zwischen 1960 und 1968; Audio Verlag, Berlin, 08/2005; 5 CDs, 218 Minuten, EU 19,95; ISBN 3-89813-464-4

Pro: einigermaßen spannend, unterhaltsam, z.T. wendungsreich, gute Profi-Sprecher, Musik & Geräusche meist passend eingesetzt, Auftritt von Mycroft Holmes

Kontra: keine Autoreninfos, Tonstandard Mono, kein Horror






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