Pablo De Santis

Die Fakultät

Roman. Unions-Verlag, 224 Seiten. 16.80 EUR . ISBN: 3-293-00296-X

Papierfluten
Pablo  De Santis: Die Fakultät

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Ein geheimnisvolles Spiel um Wahrheit und Lüge, um Realität und Fiktion
Der Buchtitel lässt es erahnen: Die Geschichte spielt in akademischen, genauer gesagt: literaturwissenschaftlichen Gefilden. Dass das Lesevergnügen deshalb aber mitnichten nur Insiderkreisen vorbehalten bleibt, hatte De Santis bereits mit seinem ersten auf deutsch erschienen Roman „Die Übersetzung“ bewiesen.

Wiederum versteht der Autor es gekonnt, eine spannende unkonventionelle Kriminalgeschichte zu erzählen und gleichzeitig dem Außenstehenden vielsagende Einblicke in den Literaturbetrieb zu gewähren. Bezeichnenderweise dreht sich die Handlung zu großen Teilen um Zerfall und Verfall, um Betrug und Zerstörung. Zentrum und Herzstück der Geschichte bildet ein verkommenes, halb verlassenes Fakultätsgebäude, in dessen ausladenden Etagen tonnenweise Gedrucktes lagert, und das im Übrigen - so erfahren wir in einem beigegebenen Interview mit dem Autor am Ende des Buches - nicht der Fantasie des Autors entsprungen ist, sondern ein ganz und gar reales Vorbild in einem legendenumwobenen Gebäude der geisteswissenschaftlichen Fakultät von Buenos Aires hat.

Der junge Esteban Miró tritt in ebendiesem Gebäude einen wissenschaftlichen Posten als Sekretär von Professor Conde an, dessen Lebensaufgabe es ist, Licht in das literarische Werk eines gewissen Homero Brocca zu bringen. Die Besonderheit an Broccas Werk besteht darin, dass niemand weiß, ob und wo Bücher Broccas existieren – nicht einmal die Existenz Broccas selbst ist gewiss. Eine Reihe obskurer Gestalten - lebende wie tote - betreten fortan die Bühne, hellen auf und verdunkeln, und treiben ein geheimnisvolles Spiel um Wahrheit und Lüge, um Realität und Fiktion: Da ist die exaltierte Selva Granados, die vorgibt, als einzige Brocca persönlich, sogar sehr persönlich, kennen gelernt zu haben; oder Professor Novario mit seinem Hang zu abenteuerlichen Expeditionen; Gaspar Trejo, Professor am mobilen Lehrstuhl für Logik, in detektivischer Mission unterwegs; ferner ein depressiver Hausmeister, ein eigenbrötlerischer Nachtwächter und ein vermeintlicher Bohemien, der in Wahrheit „morgens früh aufsteht und seine Steuern pünktlich bezahlt“.

„Die Fakultät“ knüpft an die Kunstfertigkeit des Vorläufers „Die Übersetzung“ an, erreicht aber nicht ganz dessen Ausnahmestellung. Rief die Lektüre der „Übersetzung“ dieses wunderbare Gefühl hervor, dass sich hier eine Geschichte durch den Autor erzählt, so trägt die „Fakultät“ manchmal Züge von angestrengter Konstruiertheit und büßt damit etwas von der natürlichen Leichtigkeit ein. Aber lesenswert ist das allemal.

Textauszug:

Glückliche Menschen mieden die zwanzig Tische der . Nie sah man dort ein Mädchen lachen, nie ein Händchen haltendes Pärchen. Vielmehr traf man auf verlassene Frauen, Männer mit Selbstmordgedanken, Paare, die die letzten Schritte zu ihrer endgültigen Trennung debattierten, Freunde, die an Tote dachten. Die Tische der zogen die Traurigen dieser Welt an wie Fliegenfänger.






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