Douglas Coupland

Girlfriend in a coma

Roman. Hoffmann und Campe, ISBN: 3-455-01174-8

Douglas  Coupland: Girlfriend in a coma

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Jeder hat sich schonmal die Frage gestellt, wie die Welt wohl in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen wird. Was wäre, wenn man heute in ein Koma fallen und in zwanzig Jahren wieder aufwachen würde? Douglas Coupland (1961), offensichtlich fasziniert von dieser Frage, läßt in "Girlfriend in a Coma" einen Teenager der 70’er Jahre in ein Koma fallen und fast zwanzig Jahre später in einer modernen, schnellen Welt wieder aufwachen. Ein Verlangen nach der ‘guten alten Zeit’ ist hierbei nicht zu übersehen, doch außer Melancholie gibt es in diesem fünften Roman des kanadischen Kult-Autors noch einiges mehr.

Wie in seinen vorherigen Romanen kreiert Coupland glaubwürdige Figuren, die er, mit etwas Selbstironie ausgestattet, nach ihrem Platz im Leben suchen läßt. Und wie in seinen anderen Büchern tut er das sehr einfühlsam und gleichzeitig witzig-ironisch. Doch die Ironie, bisher Markenzeichen für Coupland, scheint ihm in ‘Girlfriend in a Coma’ nicht mehr ausreichend. In diesem Buch will der Autor mehr und das wirkt letzten Endes etwas befremdend.

Die Geschichte beginnt am 15. Dezember 1979; der Tag, an dem Karen und Richard, beide 17 Jahre alt, sich zum ersten Mal lieben, oben in den Bergen nahe Vancouver, im Schnee. Am Abend gehen sie mit ihren Freunden Wendy, Pam, Linus und Hamilton auf eine Party, auf der Karen nach etwas Alkohol und zwei Valium-Tabletten bewustlos wird und schließlich in ein Koma fällt. Nach 9 Monaten gebärt die regungslose Karen Richard’s Baby. Das Mädchen, Megan, wächst bei ihren Großeltern auf, während Richard und seine Freunde damit kämpfen, erwachsen zu werden. Nach der High-School löst der Freundeskreis sich mehr oder weniger auf. Wendy, Pam und Linus ziehen weg, getrieben von ihren Idealen und Träumen. Hamilton und Richard bleiben in Vacouver. Hamilton ist ziellos und Richard bleibt bei Karen, besucht sie jede Woche und beginnt mehr und mehr zu trinken. Anfang der 90’er Jahre kehren die anderen desillusioniert in die Stadt der gemeinsamen Kindheit zurück: Pam, das ex-drogenabhängige Ex-Supermodell, Wendy, die überarbeitete Ärztin und Linus, der auf langen Reisen doch keine Antworten auf seine Fragen gefunden hat. Alle leben sich wieder ein, finden Arbeit bei einer TV-Produktionsfirma und akzeptieren, daß das Leben eben nicht so läuft, wie man es sich als Teenager erträumt hat: "At 20 you know you're not going to be a rock star. By 25, you know you're not going to be a dentist or a professional. And by 30, a darkness starts moving in you wonder if you're ever going to be fulfilled, let alone wealthy or successful. By 35, you know, basically, what you're going to be doing the rest of your life."

1996 wacht Karen überraschend aus ihrem Koma auf: eine 34-Jährige, die geistig jedoch ein Teenager ist, wie ihre Tochter Megan. Die unwissende Karen wird von ihren Freunden über die Welt der 90’er Jahre aufgeklärt: Computer, schnurlose Telephone, Faxapparate. Alles ist schnell, effektiv und neu. Karen ist schockiert: "But what about you - are you new and improved and faster and better, too? I mean as a result of your fax machine?" Hier spricht Coupland, der durch Karen seine Ansichten über die modernen ‘Errungenschaften’ ausdrückt. Die Neuheiten bedeuten Karen nichts und auch sonst findet sie, daß die Welt der Erwachsenen keinen Spaß macht. Sie erkennt, daß sich ihre Freunde eigentlich nicht geändert haben; sie sind noch dieselben, die sie mit siebzehn waren, nur haben sie keine Ideale und Träume mehr - sie sind gescheitert. Karen beginnt immer mehr ein normales Leben zu führen und langsam kommt die Erinnerung zurück: Waren da nicht kurz vor dem Koma diese Visionen vom Untergang der Erde? Gibt es einen Zusammenhang? Was bedeuten sie? Als der Geist von Jared, der 15-jährig an Leukemie gestorben ist, mit ihr spricht, werden viele Dinge deutlich …

Die Pointe der Geschichte soll hier nicht vorweg genommen werden, nur soviel: Coupland verpaßt seinem Buch im letzten Drittel einen Schuß Stephen King gemischt mit einigen unerklärbar-mysteriösen Vorfällen à la X-Files. Er läßt die Welt untergehen und wieder auferstehen. Aber es soll eine bessere Welt werden. Dafür müssen die Freunde jedoch etwas tun, sie müssen ihr Leben ändern; sie müssen alles hinterfragen, fragen und andere zum fragen annimieren - für ein besseres Bewustsein ihrer selbst. Nein, dieses mal ist Coupland nicht ironisch, er meint es ernst - leider. Er wolle mit diesen Buch, so meint er in einem Interview, die Leser aufrufen, Fragen zu stellen und sich um ihre Umgebung zu kümmern. Das ist nett gemeint, nur erinnert seine angebotene Lösung zu sehr an religiöse Besessenheit. Oder sind es nur übertriebene Hippie-Ideale? Egal, es bleibt nur zu hoffen, daß Coupland die Welt in seinem nächsten Roman nicht noch mehr verändern will.

Man kann ihm diesen lächerlichen Schluß jedoch verzeihen, denn letzten Endes ist auch dieses Buch ein exzellenter Coupland. Der Stil: locker, packend und gefühlvoll. Die Story: zum Nachdenken über Ideale, Freundschaft und den Sinn des Lebens.

Vielleicht nur für Liebhaber, dafür aber stellenweise vom Feinsten …






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