Driss Chraibi

Inspektor Ali im Trinity College

Krimi. Unions-Verlag, ISBN: 3-293-00250-1

Driss  Chraibi: Inspektor Ali im Trinity College

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Aus d. Franz. v. Keil, Regina
160 S.
Paperback
ISBN: 3-293-00250-1
Unionsverlag 1998

Driss Chraibi ist der einzige marrokanische Schriftsteller, der international Erfolg hatte und dessen Bücher in mehrere Sprachen übersetzt wurden. In seinem Heimatland hingegen war sein literarischer Erstling, "Le passe simple" (1956 erschienen) bis 1977 verboten. Das Buch ist eine schonungslose Abrechnung mit der eigenen Kultur und bildete sozusagen das Vorbild der gesamten Literatur des maghrebinischen Kulturraums. Hauptthema der Romane Chraibis, der seit 1945 in Frankreich lebt, blieb bis heute die Zerrissenheit zwischen den Kulturen. Anfang der 90er Jahre versucht sich Chraibi in einem anderen Genre: dem Kriminalroman. Sein Titelheld, Inspektor Ali, ist ebenso wie der Autor ein Wanderer zwischen den Kulturen und verkörpert sowohl moderne wie traditionelle Werte. Im Roman "Inspektor Ali im Trinity College" wird er nach England geschickt. In Cambridge ist eine morakanische Prinzession tot aufgefunden worden. Um ein diplomatisches Debakel zu verhindern, soll Inspektor Ali zusammen mit Scotland Yard den Fall aufklären. Die Untersuchung konfrontiert Ali mit seltsamen Geflogenheiten der englischen Kollegen, immer wieder eckt er mit seiner direkten Art an, gleichzeitig trifft er viele Landsleute, mit der er eilfertig Erinnerungen über die Heimat austauscht. Bald schon stößt er auf einige Ungereimtheiten im Liebesleben der Prinzessin.

Chraibi präsentiert Inspektor Ali als rassistisches Klischee: Er benimmt sich so, wie der Autor glaubt, daß man sich in der westlichen Kultur den typischen Nordafrikaner vorstellt: Ein ungebildeter Macho ohne Taktgefühl, der mit jeder Frau ins Bett steigt. Alis Taktik besteht darin, diese Rolle zu spielen und damit die Verdächtigen dazu zu bringen, ihn zu unterschätzen. Unglücklicherweise wird dieser Trick des Inspektors im Buch auch noch lang und breit erklärt. Von einer gradlinigen Schilderung eines verschmitzten Denkers a la Colombo, der zudem noch über logische Fähigkeiten verfügt, die Ihresgleichen suchen, ist das Buch allerdings meilenweit entfernt. Immer wieder ergeht sich der Autor in langweiligen Schilderungen und beschreibt den Inspektor, wie er sich ausführlich in der Umgebung des Mordopfers aufhält, um sich in die Lebensumstände des Opfers zu versetzen, und dann quasi per Intuition, der Lösung des Verbrechens etwas näherzukommen. Solche Passagen tragen nicht gerade zur überzeugenden Darstellung der logischen Fähigkeiten eines Kriminalisten bei. An vielen Stellen ist das Buch weniger der Versuch, den Tod der Prinzessin aufzuklären, es wird vielmehr schwadroniert, was das Papier hergibt. Was soll beispielsweise eine ausführliche Beschreibung des Wassers, als der Inspektor einmal in der Badewanne sitzt, welchen Weg es schon durch die Rohre genommen hat, wer bereits darin gebadet hat usw.

Insgesamt ist "Inspektor Ali im Trinity College" ein wenig gradlinig erzählter Kriminalroman, letztendlich enttäuschend und eher geschwätzig als unterhaltend.

Christoph Steven






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