Rebecca Casati

Hey Hey Hey

Roman. Diana, 219 Seiten. 17.95 EUR . ISBN: 3-828-40055-8

Lifestyle-Casanova mit System
Rebecca  Casati: Hey Hey Hey

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Die öde Geschichte eines jungen Mannes, der „sich einmal durchs Alphabet fickt“.


Die Geschichte liest sich gut. Zumindest die, die rund um das Buch gesponnen wird. Eine junge Frau mit wohlklingendem Namen und vorteilhaftem Äußeren bekommt rund 150.000 Mark Vorschuss für ein unfertiges Manuskript, in dem es um viel Sex gehen soll. Steht die Anpassung des Buchmarktes an andere Popvermarktungsindustrien unmittelbar bevor? Ist das „die neue Vorschusspanik?“ – Ein Spiegel-Artikel macht Rebecca Casati zum Synonym für den gemachten Literaturstar – bekannt und berüchtigt, ehe überhaupt ein Buch zu lesen ist. Ungewollt wird durch die Kritiker eine Erwartungshaltung aufgepeitscht, die keine Werbung überbieten könnte. Der Verlag freut sich, denn der erste Schritt der Strategie ist schon mal aufgegangen.

Jetzt liegt „Hey Hey Hey“ in den Buchläden und jeder fragt sich: Was ist dran, an Rebecca Casatis Erstling? Die Antwort: nicht viel! Ein namenloser Mann so um die Dreißig nimmt sich vor, sich „einmal durchs Alphabet zu ficken“, sich also Frauen mit Vornamen von A bis Z ins Bett zu holen. Hat, wenn die Handlung des Buches einsetzt, schon über die Hälfte aller Buchstaben geschafft und macht munter weiter im Rhythmus: Auswählen, Ins-Bett-Kriegen, Ficken und Verlassen. Ein Lifestyle-Casanova mit System.

Warum er das macht? „Die meisten Menschen lassen sich durch ihr Leben treiben wie Quallen durchs Mittelmeer“, erklärt er dem Leser gleich zu Beginn, „und bleiben dann irgendwo, je nach Strömung an irgendwem hängen.“ Genau das ist nichts für ihn: „Ich habe nämlich ein besseres System für das Leben gefunden. Einen bombensicheren Masterplan.“ Dieser bombensichere Masterplan ist eben jenes Projekt, Frauen von A bis Z zu verführen. Wenn er das erst einmal erledigt hat, soll das irgendwie Sinn ergeben.

Denn durch das Sammeln von Mädchengeschichten meint der männliche Ich-Erzähler die Mängel seiner Kindheit kompensieren zu können. Seinen Vater, den seine Mutter nur gebraucht hat, um schöne Kinder zu zeugen, hat er nicht gekannt, und für seine Mutter ist er nichts weiter als ein „Projekt“ gewesen. Wie Sex mit System das ausgleichen soll, wird nicht klar. Das geht aufs Konto Verrücktheit. Denn als durchgeknallt soll man den Erzähler wohl einstufen. Oder würde er sonst Bewunderung für Serienmörder empfinden?


Rebecca Casati erzählt bewusst flapsig und in direkter Anrede an den Leser (die sich erst am Ende als fiktive Gesprächssituation zwischen dem männlichen Ich und einer Krankenschwester entpuppt). Ihr Stil wirkt mühsam und gewollt. Obwohl der Erzähler die Telefonistin F., die Studentin I., die Kosmetikerin D. und einige andere trifft und vernascht, fragt man sich die ganze Zeit, wann es denn endlich richtig losgeht, so sehr kratzt der Text an der Oberfläche vorausberechenbarer Begebenheiten herum. Außer einer auffälligen Häufung des Wortes „ficken“, passiert wenig.

Was daran originell sein soll? Bestimmt nicht die Eigenart des Erzählers, Mädchen in Typen einzuteilen. Etwa die „unverdorbenen“ Frauen, die „porno“ sind, Astro-Bücher lesen und Céline Dion der Stimme wegen bewundern, oder diejenigen, die sich nicht entscheiden können, „ob sie lieber ein Groupie oder selber berühmt sein wollen.“. Auch nicht die Lieblingsfloskel des Erzählers, die er ausspricht, wenn eine Frau ihm hoffnungslos verfallen ist und er sie fünf Minuten später verlassen wird: „Hey Hey Hey“ leitet den Wendepunkt ein zwischen weiblicher Hoffnung und Verzweiflung und lässt selbst die Gemeinheiten des Frauensammlers irgendwie niedlich erscheinen. Richtig fies ist er eigentlich nur einmal, als ihm eine Buchstaben-Frau beichtet, dass sie schwanger ist, und er sie mit einem „Probier’s gar nicht erst bei mir, du kleine Schlampe“ abserviert.

Bleiben die unoriginellen Pointen am Schluss. So muss man dem Erzähler, der sich zwischendurch mit Formeln wie „Das finden Sie schlimm?“ oder „Schockiert Sie das?“ an den Leser wendet, mit zunehmender Enttäuschung antworten: Nein, schlimm oder schockierend kann man das nicht finden. Weil es einfach nicht rüber kommt, einfach nicht wirkt. Weil der Stil zu schnöde ist, die Atmosphäre zu lasch, die Handlungen zu vorproduziert und der Held zu berechenbar. Schockierend ist da höchstens die Dimension des Vorschusses.

Textauszug:
Ihre Stimmung schwankte irgendwo zwischen Euphorie und Drama – typisch für eines dieser Mädchen eben, die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber ein Groupie oder selber berühmt sein wollen, und sich schon ziemlich lange so durch ihr kurzes Leben geschlampt haben. Und jetzt nach etwas Stabilem suchen, einer kleinen Verschnaufpause, einem auf dem sie rumtanzen und rumtrommeln können mit ihren Launen.






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