Elias Canetti

Aufzeichnungen 1992-1993

Undefined. Carl Hanser Verlag, 100 Seiten. ISBN: 3-446-18817-7

Elias  Canetti: Aufzeichnungen 1992-1993

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Trotz oder gerade wegen ihres fragmentarischen Charakters sind Elias Canettis "Aufzeichnungen" von großer Faszination. Vielleicht liegt das an Canettis "Drang zur Universalität", die er schon 1936 forderte; und auch in seinen letzten "Aufzeichnungen 1992 - 1993" erweist sich Canetti als nahezu enzyklopädisch gebildet und ebenso klug, um das verdächtige Attribut "weise" zu vermeiden. Der greise Autor ist ein wacher Zeitgenosse, der über den Balkankrieg ebenso reflektiert wie über Computer ("Nur zögerndes Wissen zählt. Das ist es, was Computern am meisten abgeht: Zögern").
Die Aufzeichnungen entstammen dem privaten Notizbuch, sie sind ein Sammelsurium im positiven Sinne, in dem sich scharfzüngige Aphorismen, Zitate oder Anekdoten finden, beispielsweise über Albert Schweitzers Papagei Schaggo, der "Französisch und Baseldeutsch, zudem mehrere afrikanische Sprachen und Dialekte" sprach. Neben Reflexionen über das eigene Leben und Schreiben stehen Portraitskizzen, wobei die Erinnerungen an Franz Steiner ein eigenes Kapitel über sechs Seiten umfassen. Die wenigen, scheinbar unfertigen Notate, fordern in ihrer Kürze um so mehr das Nachdenken heraus ("Träge Gleichnisse."). Offenkundig von Karl Kraus geprägt sind die doppelbödigen Aphorismen; Elias Canetti, der bei ihm vor Jahrzehnten Vorlesungen gehört hatte, war sich dessen bewußt: "Noch jetzt, noch immer empfindet er Karl Kraus als seinen Privatmachthaber".
Eines der großen Themen, die Canetti während seines Lebens und insbesondere an dessen Ende aufgreift, ist der Tod, den er als Skandal ansieht; es komme darauf an, daß man ihn "selbst in Schmerzen moralisch verabscheut". Illusionslos blickt Canetti, "ein Monstrum, das sagen kann: >vor fünfzig Jahren<", auf sein Leben zurück: "Ich habe wenig gesehen, ich war an wenig Orten, ich bin den Wenigsten von denen begegnet, die meine Lebenszeit ausgemacht haben (...) Ich habe die Illusion meines Lebens, die bis vor wenig Stunden bestand, plötzlich verloren". Canetti, der große Autobiograph deutscher Sprache, wurde am Ende seines Lebens keinesfalls milde, am wenigsten gegenüber sich selbst. "Solange ich atme, schreibe ich", notiert er: "Aber höre ich noch zu?". Elias Canettis letzte Aufzeichnungen, "Gedanken, die von ihrer eingeborenen Trauer leben", verlangen ein sehr genaues Zuhören. Matthias Kehle






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