Hermann Broch

Der Tod des Vergil

Undefined. Suhrkamp Verlag, 12.50 EUR . ISBN: 3-518-38866-5

Hermann  Broch: Der Tod des Vergil

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Man lebe bewusst. Das heißt: Man genieße jeden Augenblick seines Lebens so, als wäre es der letzte. Insbesondere dann, wenn es sich tatsächlich um den letzten handelt. Man sterbe also bewusst.

Und nicht nur bewusst, sondern auch mit Lust...

Selbstmord ist dabei nicht gemeint, das wäre zu geplant, zu vorherbestimmt - gemeint ist das spontane Einsteigen auf ein wahrhaft einmaliges Erlebnis, dessen Eintreten man zwar schon lange geahnt, dessen bewusstes Erleben man jedoch immer gerne und immer weiter in die Zukunft geschoben hat.

Der Schriftsteller, der über diese Bewusstwerdung berichten und gleichzeitig ernst genommen werden will, hat nun ein Problem: Da er selbst noch nicht gestorben ist (zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, als er das Buch geschrieben hat), kann er den Tod noch nicht bewusst erlebt haben und also nicht darüber schreiben, ohne ins Esoterische abzugleiten. Er muss sich also den Tod vorstellen, und ebenso den Umgang seines Protagonisten damit.

Vergil stirbt, und das über 450 Druckseiten hinweg. Für eine Erzählung der reinen Handlung von seinem abendlichem Eintreffen im Hafen von Brundisium bis zu seinem Tod am nächsten Nachmittag wäre das ein denkbar zäher Zeit- und Erzählfluss. Die Fließgeschwindigkeit muss also anderweitig erhöht werden.

Es wird nicht nur erzählt, was Vergil während seiner letzten 18 Stunden erlebt, wen er trifft, und wen er zu treffen glaubt. Sein Leben passiert Revue, wie man es erwartet, allerdings ebenfalls erstaunlich knapp. In erster Linie beschreibt Broch Stimmungen und ihre Übergänge ineinander; das gesamte Buch ist ein einziges Fließen, ein Gleiten. Nicht das Hinübergleiten vom Leben zum Tod wird erzählt, das sich vom Standpunkt des nicht-sterbenden Erzählers aus nur unvollständig lebensecht, sterbensecht bewerkstelligen ließe, sondern ein Gleiten von Gefühlszuständen, ein Hinübergleiten, ein Ineinandergleiten. Stimmungen gleiten ineinander über, und hierin können ihnen der Autor und der Leser auch folgen, ohne zu sterben.

Wie Broch mit Worten und Sätzen ein Meer von Stimmungen zu malen vermag, wie er Stürme aufbrausen und die Wogen sich wieder glätten läßt, ist überwältigend. Er tut es, indem er die wahrscheinlich längsten Sätze der deutschen Literatur schöpft, und in diesem Fluss, in diesem Sog wird der Leser mitgerissen durch sämtliche Gefühlslagen, die sich des sterbenden Protagonisten bemächtigen. Wenn Thomas Mann den 'Tod des Vergil' "eines der ungewöhnlichsten und gründlichsten Experimente" nennt, "das je mit dem flexiblen Medium des Romans unternommen" worden sei, dann darf das nicht so abwertend verstanden werden, wie es zunächst klingen mag. Vergils Reise wird sich  im Leben und Lesen nicht nachvollziehen lassen, niemals. Ein Buch darüber ist also notwendig ein Experiment und wird es immer bleiben müssen. Wenn aber je eine literarische Annäherung an den Tod ein geglücktes Experiment sein kann, so ist es Brochs Vergil.

Und dabei ist es so lebendig zu lesen...

Dieter Lohr






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