Paul und Jane Bowles

A Hundred Camels in the Courtyard Katharina Franck / Ulrike Haage: Bei unse

Undefined. Cadmus Editions Sans Soleil, ISBN: 0-932274-55-2

Paul und Jane  Bowles: A Hundred Camels in the Courtyard Katharina Franck / Ulrike Haage: Bei unse

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ISBN 0-932274-55-2

Jane Bowles

Katharina Franck / Ulrike Haage: Bei unserer Lebensweise ist es sehr angenehm, lange im voraus zu einer Party eingeladen zu werden

Bonn, Sans Soleil, 1999, ISBN 3-88030-036-4

1960 hatte Paul Bowles (*1910 Jamaica, Long Island †1999 Tanger, Marokko) begonnen, nachts, wenn seine kranke Gattin Jane schlief und kein Besucher mehr anwesend war, Stories über Marokkaner zu schreiben. Dabei wendete er eine Methode an, zu der ihn Raymond Roussel’s Buch Comment j’ai écrit certains de mes livres angeregt hatte: Spielerisch setzte er Zitate aus völlig verschiedenen Quellen, Erlebtes und Gehörtes, so zusammen, dass sich daraus eine zusammenhängende Geschichte ergab. Das marokkanische Kiff-Motiv diente ihm als Kitt für das heterogene Material, als roter Faden, der die disparaten Elemente narrativ zusammenband. Auf diese Weise entstanden vier Stories, die Paul Bowles 1962 unter dem Titel A Hundred Camels in the Courtyard veröffentlichte, bei City Lights, San Francisco, dem Haus Lawrence Ferlinghettis, der als Verleger u.a. von Allen Ginsbergs Howl schon immer einen siebten Sinn für exklusive Literatur bewiesen hatte. Den merkwürdigen Titel hatte Bowles in Marrakesh von einem Nchaioui, einem passionierten Kiff-Raucher, aufgeschnappt: „Eine Pfeife Kiff vor dem Frühstück gibt einem Mann die Kraft von einhundert Kamelen im Hof.“ Die abenteuerlichen Geschichten, von denen The Story of Lahcen and Idir Frieder Schlaich als eine von drei Sequenzen seiner Bowles-Verfilmungen Halbmond diente, zeichnete Bowles im Herbst 1978 mit einem Uher 1000 Report L Gerät auf Band auf. Die ca. zweistündige Aufnahme – sie versammelt alle vier Stories – erschien 1981 als Doppel-Lp mit einem Frontcover von Brion Gysin, dem Maler und Erfinder der Cut-up-Methode und der Dreamachine. Diese durch den kürzlichen Tod des exilamerikanischen Schriftstellers umso wertvoller gewordene Lesung, das einzige von Bowles vollumfänglich gelesene Werk, haben die Cadmus-Editions als Doppel-CD nun neu zugänglich gemacht. Im Booklet ist der Essay zur Schallplattenausgabe von 1981 wieder abgedruckt. Darin erläutert Paul Bowles die Entstehungsgeschichte, die Motive und die Kompositionsprinzipien seiner erlesenen viersätzigen Suite marokkanischer Geschichten. Bowles‘ Prosa besticht noch im Vorwort durch Transparenz, Schlichtheit und Präzision bei gleichzeitiger Intensität.
Ganz anders Jane Bowles (*1917 New York †1973 Málaga). Ihre Briefe hat Pociao 1998 in einer deutschen Auswahl mit dem Titel goNza magilla herausgegeben. Sie stellen das Zeugnis eines zwiespältigen Lebens dar, das mit einer funkensprühenden, wieselgewandten, abgründig ironischen Intelligenz und dem komplexen Roman Two Serious Ladies (1943) vielversprechend begann, aber in der langjährigen physischen und psychischen Passionsgeschichte eines schweren, 1957 erlittenen Schlaganfalls elend endete. Bis Ende der 60er Jahre hielt Jane Bowles aber ihre extensive Briefkultur, selbst unter zunehmenden Koordinationsmängeln, aufrecht. Ihre Briefe bilden die primäre Quelle des vom Deutschen Rundfunk preisgekrönten Hörspiels Bei unserer Lebensweise ist es sehr angenehm, lange im voraus zu einer Party eingeladen zu werden, das die Ex-Rainbirds Katharina Franck und Ulrike Haage gemacht haben. Katharina Franck versetzt darin Zitate aus Jane’s Briefen mit eigenen Texten, führt jene weiter in einer freien Korrespondenz zwischen „meiner Jane, einer anderen und mir“, wie sie selbst sagt. Viele Stimmen mischen sich im Kopf dieser Briefeschreiberinnen, wie ein fernes Echo von Rimbauds „Je est un autre“. Mit dem Satz „Vielleicht kannst du mir schreiben, was ich meine“ schliesst das atmosphärische Hörspiel. – Ein herrlich offener Schluss für diese Text- und Klangmontage wandernder, sich verschiebender und überlagernder Identitäten! Francks Sprechfluss unterlegt Ulrike Haage mit Samples von Maurice Ravel, marokkanischer Trance-Musik, Count Basie oder der Musical-Sängerin Libby Holman, einer engen Freundin und wichtigen Briefadressatin von Jane; oder es tauchen Strassengeräusche von Tanger auf, das verlorene Tippen einer Schreibmaschine, Fetzen von Bar-Gesprächen, das Rauschen und Scheppern alter Schallplatten und natürlich viele coole Haage-Moods. So ist eine leidenschaftliche und zugleich erhellende Hommage an Jane Bowles entstanden, eine Sehnsuchtsvertiefung, aktive Memoria, ein Lebendigwerden und Weiterführen von Jane Bowles‘ Stimme und exotischem Lebensweg, der einerseits die moralisch libertine Party-Gesellschaft der 90er Jahre antizipiert und anderseits in seiner ausgestandenen Verzweiflung eine Zeit widerspiegelt, in der „keine Milde zu erwarten ist von Gott“.

Florian Vetsch






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