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Buy Paul und Jane Bowles: A Hundred Camels in the Courtyard Katharina Franck / Ulrike Haage: Bei unse at Amazon.com (USA)
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1960 hatte Paul Bowles (*1910 Jamaica, Long Island †1999 Tanger, Marokko)
begonnen, nachts, wenn seine kranke Gattin Jane schlief und kein Besucher
mehr anwesend war, Stories über Marokkaner zu schreiben. Dabei wendete
er eine Methode an, zu der ihn Raymond Roussel’s Buch Comment j’ai écrit
certains de mes livres angeregt hatte: Spielerisch setzte er Zitate aus
völlig verschiedenen Quellen, Erlebtes und Gehörtes, so zusammen,
dass sich daraus eine zusammenhängende Geschichte ergab. Das marokkanische
Kiff-Motiv diente ihm als Kitt für das heterogene Material, als roter
Faden, der die disparaten Elemente narrativ zusammenband. Auf diese Weise
entstanden vier Stories, die Paul Bowles 1962 unter dem Titel A Hundred
Camels in the Courtyard veröffentlichte, bei City Lights, San Francisco,
dem Haus Lawrence Ferlinghettis, der als Verleger u.a. von Allen Ginsbergs
Howl schon immer einen siebten Sinn für exklusive Literatur bewiesen
hatte. Den merkwürdigen Titel hatte Bowles in Marrakesh von einem
Nchaioui, einem passionierten Kiff-Raucher, aufgeschnappt: „Eine Pfeife
Kiff vor dem Frühstück gibt einem Mann die Kraft von einhundert
Kamelen im Hof.“ Die abenteuerlichen Geschichten, von denen The Story of
Lahcen and Idir Frieder Schlaich als eine von drei Sequenzen seiner Bowles-Verfilmungen
Halbmond diente, zeichnete Bowles im Herbst 1978 mit einem Uher 1000 Report
L Gerät auf Band auf. Die ca. zweistündige Aufnahme – sie versammelt
alle vier Stories – erschien 1981 als Doppel-Lp mit einem Frontcover von
Brion Gysin, dem Maler und Erfinder der Cut-up-Methode und der Dreamachine.
Diese durch den kürzlichen Tod des exilamerikanischen Schriftstellers
umso wertvoller gewordene Lesung, das einzige von Bowles vollumfänglich
gelesene Werk, haben die Cadmus-Editions als Doppel-CD nun neu zugänglich
gemacht. Im Booklet ist der Essay zur Schallplattenausgabe von 1981 wieder
abgedruckt. Darin erläutert Paul Bowles die Entstehungsgeschichte,
die Motive und die Kompositionsprinzipien seiner erlesenen viersätzigen
Suite marokkanischer Geschichten. Bowles‘ Prosa besticht noch im Vorwort
durch Transparenz, Schlichtheit und Präzision bei gleichzeitiger Intensität.
Ganz anders Jane Bowles (*1917 New York †1973 Málaga). Ihre
Briefe hat Pociao 1998 in einer deutschen Auswahl mit dem Titel goNza magilla
herausgegeben. Sie stellen das Zeugnis eines zwiespältigen Lebens
dar, das mit einer funkensprühenden, wieselgewandten, abgründig
ironischen Intelligenz und dem komplexen Roman Two Serious Ladies (1943)
vielversprechend begann, aber in der langjährigen physischen und psychischen
Passionsgeschichte eines schweren, 1957 erlittenen Schlaganfalls elend
endete. Bis Ende der 60er Jahre hielt Jane Bowles aber ihre extensive Briefkultur,
selbst unter zunehmenden Koordinationsmängeln, aufrecht. Ihre Briefe
bilden die primäre Quelle des vom Deutschen Rundfunk preisgekrönten
Hörspiels Bei unserer Lebensweise ist es sehr angenehm, lange im voraus
zu einer Party eingeladen zu werden, das die Ex-Rainbirds Katharina Franck
und Ulrike Haage gemacht haben. Katharina Franck versetzt darin Zitate
aus Jane’s Briefen mit eigenen Texten, führt jene weiter in einer
freien Korrespondenz zwischen „meiner Jane, einer anderen und mir“,
wie sie selbst sagt. Viele Stimmen mischen sich im Kopf dieser Briefeschreiberinnen,
wie ein fernes Echo von Rimbauds „Je est un autre“. Mit dem Satz
„Vielleicht kannst du mir schreiben, was ich meine“ schliesst das
atmosphärische Hörspiel. – Ein herrlich offener Schluss für
diese Text- und Klangmontage wandernder, sich verschiebender und überlagernder
Identitäten! Francks Sprechfluss unterlegt Ulrike Haage mit Samples
von Maurice Ravel, marokkanischer Trance-Musik, Count Basie oder der Musical-Sängerin
Libby Holman, einer engen Freundin und wichtigen Briefadressatin von Jane;
oder es tauchen Strassengeräusche von Tanger auf, das verlorene Tippen
einer Schreibmaschine, Fetzen von Bar-Gesprächen, das Rauschen und
Scheppern alter Schallplatten und natürlich viele coole Haage-Moods.
So ist eine leidenschaftliche und zugleich erhellende Hommage an Jane Bowles
entstanden, eine Sehnsuchtsvertiefung, aktive Memoria, ein Lebendigwerden
und Weiterführen von Jane Bowles‘ Stimme und exotischem Lebensweg,
der einerseits die moralisch libertine Party-Gesellschaft der 90er Jahre
antizipiert und anderseits in seiner ausgestandenen Verzweiflung eine Zeit
widerspiegelt, in der „keine Milde zu erwarten ist von Gott“.
Florian Vetsch
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Paul und Jane Bowles: A Hundred Camels in the Courtyard Katharina Franck / Ulrike Haage: Bei unse
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