Marcel Beyer

Das Menschenfleisch

Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main. ISBN: 3-518-39203-4

Marcel  Beyer: Das Menschenfleisch

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Der erste Punkt kommt nach wenigen Worten. Auch die nächsten lassen sich nicht viel Zeit. Aber die Ruhe ist trügerisch wie der Kern jener Venusfliegenfalle, aus deren Beschreibung Marcel Beyer seinen Roman Das Menschenfleisch entwickelt. Die Ruhepunkte im Text werden seltener, die Risse und Verschlingungen nehmen zu und die anfängliche Ausgewogenheit zerfasert zu einem faszinierend abgründigem Bewusstseinsstrom.
Das Menschenfleisch erzählt eifersüchtige und nicht befriedigte Liebe als dramatischen Monolog. Die Eingangsszene setzt die verhängnisvolle Mechanik einer fleischfressenden Pflanze als biologisch scharfes Bild für die Fatalität der Liebe. Der namenlose Erzähler liebt eine fast namenlose K., und in dieses Zweieck dringt ein Dritter ein, schemenhaft nur erkennbar wie die rudimentäre Fabel insgesamt.
Es ist die Sprache, die die Geschichte schreibt. Mittels der Worte werden die Uneindeutigkeiten und Hemmnisse zwischenmenschlicher Natur markiert: mal hastig, mal gebremst, mal verstümmelt. Der Text ist in sich verwoben, greift in sich ein und führt oft an kein Ende. Das Menschenfleisch erscheint wie ein einziger Traum, der hinter die Gewissheiten taucht, unruhig und leise. Was parallel erzählt wird, kumuliert nach wenigen Sätzen miteinander. In die Geschichte dringen massiv Fremdzitate aus Literatur, Musik, Film und Theorie ein und lassen sich nicht vom Eigenen des Erzählers trennen, der selbst nicht mehr weiß: welche Geschichte soll hier denn abgewickelt werden.
Permanent überfallen mich die Dinge und die Wörter es ist zum sich die Augen ausstechen lassen die Ohren abbeißen, sagt er. Zurück bleibt Staunen, Fragen und Zweifeln. Das Menschenfleisch ist Literatur sensiblen Ergründens. Zwischen und in den verschiedenen Kapiteln entsteht ein Labyrinth, in dem zwischen den Ungläubigkeiten ganz erstaunliche Aussagen fallen. Die Kraft der Imagination entwickelt einen Sog, von dem man auch durch Verständnislücken gerissen wird.
Beyer klappt die Sprache wie einen fremden Körper auf, und ebenso die Körper selbst. Das Begehren des Erzählers ist es, sich den Gegenstand seiner Liebe mittels seines Sprechens einzuverleiben. Jegliche Ausstrahlung der geliebten K. wird in eine Aufzeichnungsfläche verwandelt: von ihr berührte Gegenstände etwa, Stimme, Körper oder Körperschatten. Begriffe wie Rachenarbeit und Hautverständigung tauchen auf und bleiben so lange, bis sie als rätselhafte Zeichen mit dem Text verwachsen sind.
Lakonisch erzählt, gewinnt der Roman in seinen Auslassungen und Kontraktionen die verkürzende Dichte gelungener Lyrik. Er spiegelt brilliant jenes unregelmäßige Muster der Innenwelt, jenes Gedankenflimmern, das schon bei der Ankunft wieder im Sprung ist.

Ron Winkler
 






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