Sibylle Berg

Das Unerfreuliche zuerst

Undefined. KiWi, 168 Seiten. 17.90 DM . ISBN: 3-462-03037-X

Spiel mir das Lied vom Tod als Endlosschleife
Sibylle  Berg: Das Unerfreuliche zuerst

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Von triebgesteuerten Männern, scheiternden Aussteigertypen und paranoiden Großstadtmenschen. Sibylle Berg bleibt sich selber treu.


Ein Mann. Allein. Auf seinem Bett. In der fernöstlichen Nacht. Bei vierzig Grad hinterm Moskitonetz. In den Ecken: Spinnen und Riesenkakerlaken. Er starrt an die Decke. Raucht eine nach der anderen. Das Betttuch klebt, die Haut auch. Er weiß, dass Schlafen keinen Sinn macht. Wozu auch? „Die Nächte schwül und zu lang, die Tage heiß und zu hell und so allein, dass noch nicht einmal ein Gespräch mit sich selber möglich.“ Was ihn hierher geführt hat? Eine blöde Idee, das Gefühl ausbrechen zu müssen, aus einem sinnlosen Leben. Was er gefunden hat? Die Illusion einer unerreichbaren Liebe. Was ihn weitertreibt? Nichts, rein gar nichts.

Sibylle Berg hat „Herrengeschichten“ geschrieben und ist sich selber treu geblieben. Verzweifelte Menschen suchen Glück, Liebe, eine Aufgabe fürs Leben, finden Langeweile, Enttäuschung, Leere und krepieren, überleben oder werden in absurden Welten von Riesenechsen gefoltert. Der Textband „Das Unerfreuliche zuerst“ vereint Geschichten paranoider Großstadtmenschen, triebgesteuerter Machos, scheiternder Aussteigertypen und naiv auf große Gefühle hereinfallender Männer.

Bei Sibylle Berg bedeutet Leben Qual und Einsamkeit: Aufstehen, einer sinnlosen Arbeit nachgehen, erledigt nach Hause kommen, fernsehen, zu Bett gehen und das ganze von vorn. Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ohne etwas wahrzunehmen. An denjenigen, die versuchen, nicht darüber nachzudenken, zieht das Leben vorbei, ohne dass sie eigentlich gelebt hätten. Sie werden alt und sterben. Andere versuchen, irgendetwas dagegen zu tun, zum Beispiel, sich zu verlieben.

In mehr als drei Geschichten führt Sibylle Berg vor, dass Liebe und Ewigkeit ebenso alte Feinde sind wie Feuer und Wasser. In „Hinterher“ beobachtet ein ehemals Verliebter, wie sich seine Angebetete mit dem selben Ewigkeitspathos in einen Neuen verliebt und dabei Schritt für Schritt das gleiche tut wie damals bei ihm. Die in unendlichen Gesprächen gepriesene Einmaligkeit: eine Illusion. Wie er das alles so genau beobachten kann? Aus dem Jenseits, in das er durch verzweifelten Liebesselbstmord gekommen ist, nachdem sie mit ihm Schluss gemacht hat. Das die eine Möglichkeit, wie Liebe bei Sibylle Berg endet. Die andere: Große Liebe, zusammenziehen, wilder Sex, erste Probleme, diskutieren, fremdgehen, offene Beziehung, sich anekeln und sterben.

Um dem Teufelskreis des Alltags zu entfliehen, versuchen wieder andere den Ausstieg. Irgendwohin fliehen, „Hauptsache weit“, vorzugsweise nach Thailand. Das scheint zuerst gut zu gehen: „Tagelang ließ er sich auf den offenen Mopedtaxis durch die Stadt fahren. Er fuhr an bunten Dingen vorbei, wie durch ein Panoramakino. Er staunte. Das war wie wieder jung sein“. Aber dann allmählich das Gefühl nicht zu existieren, weil einen niemand wahrnimmt, weil man die Sprache nicht versteht, weil man nichts machen kann, als anderen beim Leben zuzusehen und vor allem weil es den Fremden gleichgültig ist, was man macht, ob man weiter lebt oder nicht. Am Ende bleiben zwei Möglichkeiten: Dableiben und krepieren oder zurück in die Langeweile.

Wer Sibylle Berg kennt, hat das alles schon einmal gelesen. Ob in ihren drei Romanen oder Texten fürs Zeit-Magazin oder die Allegra. Mit ihrem lakonisch-düsteren Sound und ihrer nihilistischen Weltsicht hebt sie sich zwar nach wie vor angenehm von anderen Popautoren ab. Nur fällt in „Das Unerfreuliche zuerst“ die Wiederholung der Motive und Charaktere in besonderem Maße auf. Nicht nur im Vergleich zu ihren anderen Büchern, auch innerhalb des Geschichtenbandes selbst. Ob man das lesen muss? Berg-Fans ja. Andere sollten sich lieber ihren Roman „Amerika“ vornehmen.

Textauszug:
Was auch immer sich Menschen vorstellen, wenn sie sich das Aussteigen auf einsamen Inseln vorstellen, die Wahrheit ist anders. Die Wahrheit ist man selbst. Und das ist eine langweilige Sache.

Befreit von allem, das einen der Existenz versichert, bleibt nichts. Ich werde zurückkehren. Dort weiß ich auch nicht weiter, doch das Telefon klingelt ab und an.







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