Yoshimoto Banana

Sly

Roman. Diogenes, Zürich. 161 Seiten. 14.90 EUR . ISBN: 3-257-06316-4

Gedanken über Liebe, Leben und Tod
Yoshimoto  Banana: Sly

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Drei Freunde unternehmen eine Reise in ein fremdes Land, nach Ägypten. Es ist das erste und letzte Mal, dass die jungen Japaner sich gemeinsam ins Flugzeug setzen, denn mindestens einer des Trios, der bisexuelle Takashi, hat sich mit Aids infiziert. Die beiden anderen haben ihr Testergebnis bei der Abreise noch nicht, aber sie hatten beide einmal eine Beziehung mit ihm. Zuerst Kiyose, die Schmuckdesignerin, nach ihr auch der Barbesitzer Hideo, der seine ganze Familie auf tragische Weise verloren hat.

Die Zeit vergessen, die plötzlich durch die Gewissheit, dass der Tod die Freunde sehr bald trennen wird, so begrenzt wirkt, und noch ein paar Erinnerungen an Takashi sammeln – das ist der Sinn dieses Trips. Wer an eine wilde Dreiecksbeziehung denkt, die in der Fremde exotische Formen annimmt, liegt weit daneben. Inzwischen befindet sich die Freundschaft auf einem höheren Level: Eine rein platonische, aber sehr intensive Liebe und ein inniger und vertrauter Umgang miteinander verbindet die drei.

Mimi, die Freundin von Takashi, ist nicht mitgekommen. Sie hat sich beim Warten auf ihr Testergebnis lieber in ihr Atelier verzogen und abgesondert. Diese Reaktion der liebreizenden Künstlerin wird aber keineswegs als egoistisch oder feig aufgefasst. Für Kiyose, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird, ist dieses Handeln absolut verständlich. Sie denkt nicht etwa daran, dass es Mimis Aufgabe sein könnte, ihrem Partner, der gerade von seiner unheilbaren Krankheit erfahren hat, Beistand zu geben und eine Stütze zu sein.

Der grobe Satz “Du stirbst doch sowieso bald.” aus dem Mund des besten Freundes wird als derber Witz abgetan und berührt Takashi nicht weiter. Er hat sich an Hideos Sprüche bereits gewöhnt.
Einige befremdliche Handlungen und Worte lassen sich vielleicht mit der fernöstlichen Denkweise der Autorin erklären, die für Europäer nicht immer verständlich ist.

Dennoch sind die 158 Seiten des Büchleins angefüllt mit wunderschönen Reflexionen über Themen wie Freundschaft, Glaube, Diesseits und Jenseits. Kiyose entwickelt langsam ein Bewusstsein dafür, wie ähnlich sich ihr buddhistischer Glaube und die Religion der Ägypter im Grunde sind, was man als Kulturtransfer bezeichnen kann, der dem Leser im christlich geprägten Westen eine neue Dimension öffnet, die er alleine so nicht betrachten würde. Diese anmutigen Ausführungen wiegen die dünne Handlung wieder auf und verleihen “Sly” seinen besonderen Reiz.

Banana Yoshimoto malt sehr plastische Bilder von der Nillandschaft und den Sehenswürdigkeiten Ägyptens, wobei diese farbigen Beschreibungen von Schauplätzen mit besonderer Atmosphäre symbolisch das Innenleben der Protagonisten widerspiegeln.
Der Leser erfährt auf der Reise durch das Land viel Interessantes über die ägyptische Kultur der Vergangenheit und der Gegenwart.

Emotional geladen sind vor allem die Szenen, in denen Kiyose beobachtet, wie Takashi, von extremen Gefühlen hin und hergerissen, versucht, mit seinem Schicksal fertig zu werden. Dabei entdeckt sie nicht nur neue Züge an dem vertrauten Menschen, sondern auch sie selbst verändert ihr Denken dadurch.

Yoshimotos Roman, der bereits 1996 nach einer Ägyptenreise entstanden ist, kann nicht durch eine spannende Handlung überzeugen, gibt aber einem Einblick in verschiedene Kulturen und regt zum Weiterdenken an.






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