Paul Auster

Im Land der letzten Dinge

Bestseller. Rowohlt, Reinbek. ISBN: 3-499-13043-2

Paul  Auster: Im Land der letzten Dinge

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Anna Blume ist in die Stadt gekommen, um nach ihrem Bruder William zu suchen. Zwar hatte man schon seit Monaten nichts mehr von ihm gehört, die Chancen, daß er noch am Leben wäre, waren ziemlich gering. Und wer geht schon freiwillig in eine Stadt, die eigentlich nicht mehr existiert?

Alles, was ihr an Unterstützung mitgegeben wird, ist Williams letzte Adresse, und der Name sowie das Bild seines Nachfolgers, Samuel Fair.

Als Anna in der Stadt ankommt, wird ihr erstmal das Ausmaß an Chaos und Verwüstung klar, das dort herrscht. Die Straße, das Gebäude, nach dem sie sucht, existieren nicht mehr; die Zustände sind unbeschreiblich - die Stadt zerfällt, um zu überleben muß man plündern, stehlen, erfinderisch sein; Lebensmittel sind kaum erhältlich, Wohnungen der schiere Luxus. Eine ganze Reihe neuer Berufe hat sich entwickelt - Leichenaufsammler, Mörder, die vom Opfer selbst gedungen werden, Müllsammler, etc.

Doch Anna hat Glück - sie rettet Isabel eines Tages auf der Straße das Leben, und die nimmt sie mit zu sich nach Hause, lehrt ihr Tricks, um zu überleben. Doch Isabel ist bereits schwerkrank - als sie stirbt, ist sofort ein Überfallkommando zur Stelle, das die Wohnung besetzt.

So lebt Anna wieder auf der Straße - bis sie, auf der Flucht vor der Polizei, in die Nationalbibliothek gerät und dort durch Zufall ausgerechnet Samuel findet. Was erst als Zweckgemeinschaft zum Überleben gedacht war, entwickelt sich zu tiefster Liebe - die ein jähes Ende nimmt, als Anna auf der Suche nach einem Paar Schuhe in eine Menschenschlachterei gerät, sich daraus zwar schwer verletzt retten kann, um dann aber zu erfahren, daß in der Zwischenzeit die Bibliothek abgebrannt ist.

Da hilft es auch wenig, daß sie ausgerechnet im Woburne House gelandet ist, bei einer Familie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Obdachlosen zumindest ein paar Tage von der Straße zu holen, ein schier unmögliches Unterfangen...

Ich stehe dem Buch mit sehr zwiespältigen Gefühlen gegenüber.

Zu Beginn ist die Handlung sehr apokalyptisch, malt ein greuliches Horrorbild. Die äußeren Umstände sind auch zum Schluß noch genauso schrecklich (wenn nicht schlimmer) - nur rücken sie ziemlich weit in den Hintergrund, was allerdings der Figur Anna mehr Raum gibt.

Während dieser düsteren Endzeitbeschreibungen war das Buch für mich persönlich eigentlich ohne Leben, ich habe mich eben so durchgelesen, weil das Buch nun wirklich nicht dick ist, und ich ohnehin eine lange Zugfahrt überbrücken mußte.

Danach, so etwa nach 100 Seiten, ändert sich auch die Sprache, wird weicher und zugänglicher - Paul Auster versteht es meisterhaft, mit knappen Worten einen Film im Kopf ablaufen zu lassen. Dafür leidet ab diesem Zeitpunkt die Logik der Geschichte. Vorher war alles nur grauenvoll, ein Überlebenskampf - und nun bleibt plötzlich Zeit für Liebe, Gespräche, etc.

Außerdem hat es mich einfach gestört, daß Anna aus jeder Katastrophe sozusagen immer wieder ins nächst weichere Bett fällt.

Nochmals zurück zur Sprache. Vielleicht liegt es ja an meinem Unvermögen, mir die Stadt in 200 Jahren vorzustellen - aber mein persönlicher Eindruck war, daß Auster nur dann gut schreibt, wenn er seine Geschichten in eine "reale" Umwelt setzen kann.

Daniela Ecker






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