Steve Appleford

Rip this Joint. The Rolling Stones. Die Story zu jedem Song

Sach. rockbuch verlag buhmann & haeseler, Schlüchtern. 272 Seiten. 29.90 EUR . ISBN: 3-927638-11-0

Rip this Joint - so langweilig kann Musik sein...
Steve  Appleford: Rip this Joint. The Rolling Stones. Die Story zu jedem Song

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40 Jahre Rolling Stones. Rechtzeitig zum letztjährigen Jubiläum hat der US-amerikanische Musikjournalist Steve Appleford eine Geschichte der Band geschrieben, die nunmehr auch auf Deutsch zu haben ist.
Was denn? Noch eine? Wie viel Millionen Mono-, Bio- oder sonstige -graphien der Stones gibt es denn bereits? Muss das wirklich sein?
“Unbedingt!” antwortet der Autor, denn zum ersten Mal wird hier die Geschichte der Rolling Stones anhand ihrer Songs erzählt. Und um die Musik allein geht’s, “die schließlich der einzige Grund ist, sich überhaupt mit den Stones zu beschäftigen.” Das klingt vernünftig, weil man ja in der Tat über das Privatleben und angebliche Privatleben der einzelnen Steine genug in der Zeitung liest. Und dass sie außer Musik nicht allzu viel im Kopf haben, stellen sie selbst immer wieder eindrucksvoll unter Beweis. Wie Mick Fleetwood ganz richtig sagt: “Sie haben großartige Songs geschrieben, bis heute. Das Image der Stones verdeckt manchmal, welch bedeutende, kreative Musiker sie sind.”
Ergo werden, wie im Klappentext verheißen, nicht die Musiker, sondern einzelne ihrer Songs – nicht alle – von The Rolling Stones bis Bridges to Babylon analysiert.
Wie jedoch auch Appleford im Laufe des Buchs erkennen muss, spiegeln die Songs die Ideen und Einstellungen ihrer Songwriter wieder, was zunächst an den Texten erkenntlich wird. Denn: Ein Lied besteht aus Musik und Text, der also ebenfalls unter die Lupe genommen werden muss. Für ‘out of time’ klingt das beispielsweise so:

“Der Sound ist purer Motown-Pop, mit einem locker sinnlichen Jagger, der mit unerhörtem Selbstbewusstsein und sogar ein wenig Mitleid mit den Fingern schnippt, fast wie einer der Raufbolde, die die Straßen der West Side Story durchstreifen und die Mädchen, die hinter ihnen her sind, ignorieren. ‘Du bist nicht ganz auf dem Laufenden, Baby, mein armes ausrangiertes Baby’, singt Jagger überlegen und erzählt davon, wie er eine Freundin abblitzen lässt, die sich vorher, sehr zu ihrem nachträglichen Bedauern, von ihm getrennt hatte. Er hat sich bereits eine andere gesucht, aber auch sonst würde er sich diesen Augenblick nicht entgehen lassen: Rache ist süß. Jetzt muss sie leiden.”

Geballte Intelligenz auf allen Seiten. Was vom Sound handelt, liest sich ungefähr so:

Das Stück ‘Now I’ve got a Witness’ übernimmt das zentrale Keyboard-Riff aus Marvin Gayes Hit ‘Can I Get a Witness’, “und ersetzt die Klaviermelodie einer religiösen Erweckungsversammlung durch ein Orgel-Crescendo. Eine melancholische Mundharmonika durchschneidet Charlie Watts gleichmäßigen Beat, bevor der Song schließlich mit einem emotionsgeladenen Gitarrensolo von Keith Feuer fängt. Nichts Tiefschürfendes, einfach lustvoll gespielt.”

Tja, wer das Stück nicht kennt, wird nach dieser Beschreibung auch nicht wissen, wie es sich anhört, und wer es kennt, für den ist sie überflüssig. So what?

‘Sing this all together’ “ist der Punkt, an dem Their Satanic Majesties Request in ein zielloses Gedudel abdriftet. […] Im Gegensatz zum restlichen Oeuvre der Stones, zur Kraft und bleibenden Bedeutung der Band, ist dieses achtminütige, für alles offene Stück nur peinlich. Ein übler Trip.”

Aufgemerkt: Nicht so sehr um die Stones scheint es Steve Appleford zu gehen, sondern eher um seine eigene Meinung von ihnen. Bereits in der Einleitung schreibt er:
Im Hollywood Palladium “hatte mein Freund Billy Groak die Stones 1972 gesehen, was mich noch immer mit Neid und Ehrfurcht erfüllt.”
Also: Mein Freund Gordon Baker ist noch älter und hat die Stones bereits 1964 auf ihrer allerersten USA-Tour erlebt. Das erfüllt mich mit noch mehr Neid und Ehrfurcht, wird aber wahrscheinlich ebenfalls kein Schwein interessieren.
Damit der Autor nicht gar so sehr im Vordergrund steht, hat er noch allerlei andere Leute nach ihren Meinungen zu den Stones befragt (und aus noch mehr Zeitschriften-Interviews und Biographien abgeschrieben):

“Mann, die Stones haben’s wieder geschafft!”, meint zum Beispiel Wayne Kramer von MC5. “Mann, sie haben’s wieder geschafft! Hör dir das nur an, Mann!!! Sie sind so verdammt gut!!!”

Merke: Das gesprochene Original-Wort klingt geschrieben zuweilen etwas platt, insbesondere, wenn es übersetzt wird. Und in der Tat scheint das Buch in erster Linie für ein US-amerikanisches Publikum geschrieben worden zu sein. Ray Manzarek von den Doors meint: “Als ich ‘Satisfaction’ zum ersten Mal hörte, konnte ich es nicht glauben. Der Text war klasse, er richtete sich an alle jungen Amerikaner.” Ob er da wohl – in durchaus nicht unüblicher amerikanischer Manier – irgend etwas falsch verstanden haben könnte, der aufgeweckte junge Amerikaner?
Beständig wird die Liebe der Stones zu den USA beschworen, Chicago, das Mississippi-Delta, die Chess Studios, gerade so, als wären nicht Grateful Dead oder Jefferson Airplane die uramerikanischen Rockhelden der Zeit gewesen, sondern die Rolling Stones. Unermüdlich werden die Hitparadenplätze hergeleiert, die dieser oder jener Song in den USA erklommen hat. Die entsprechenden britischen Charts (oder gar die anderer Länder) werden darüber zuweilen vollkommen vergessen. Wieder und wieder wird dem amerikanischen Plattensammler erklärt, welche Songs er auf welchen LPs findet, da sich während der frühen Jahre die britischen und amerikanischen Platten hinsichtlich ihrer Inhalte unterscheiden. Auch ansonsten wird wiederholt, was das Zeug hält; das Buch ist nicht zum Durchlesen gedacht, sondern zum Nachschlagen. Aber selbst wenn man nur nachschlägt, liest es sich herzlich langweilig: Der Abschluss ‘Not fade away – die Rolling Stones im Jahr 2002’ ist weiter nichts als eine lieblose Aufzählung von Tourdaten und Besucherzahlen, der Anzahl von Mick Jaggers Kindern, der Namen seiner Frauen und Soloprojekte etc.
Neben den Songs und ihren Texten finden sich im Buch zahlreiche Fotos und Hintergrund-Infos. Hierbei hatte es der Autor sichtlich schwierig, irgend etwas aufzutreiben, was im Lauf der letzten 40 Jahre nicht schon zig mal um die Welt gegangen ist. Entsprechend genügsam ist er auch hier, was seine Ansprüche betrifft: So erinnert sich der Bühnenbildner Rodney Bingenheimer aus Los Angeles noch ganz genau, dass bei den Aufnahmen zu ‘Goin’ home’ “Jagger ein gestreiftes, bis obenhin zugeknöpftes Hemd trug, Keith dagegen Ledermantel und Sonnenbrille.” Darauf hat die Welt gewartet!

Fazit: Einmal hören ist besser als hunderttausendmal lesen. Für die knapp 30 Euro, die das Buch kostet, bekommt man im Second-Hand-Laden genug Stones-Platten (am besten die aus Vinyl mit den Kratzern), um sich ein weitaus vielschichtigeres Bild von den Stones zu machen, als es einem Steve Appleford jemals vermitteln könnte.

Dieter Lohr






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