Gabrielle Alioth

Die Arche der Frauen

Bestseller. Nagel und Kimche, Zürich. ISBN: 3-312-00212-5

Gabrielle  Alioth: Die Arche der Frauen

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  Die Arche der Frauen ist ein Haus auf der grünen Insel Irland, oben am Hang gebaut. Um das Haus herum ist Wasser allgegenwärtig, überall hört man es tröpfeln und rauschen – es regnet aus den Wolken, es fließt im Bach drunten im Tal, tritt über die Ufer und steht zwischen den Weiden und Brennesseln, es steigt und überflutet die Scheune, sogar innen im Haus rinnt es an den Wänden herab und sammelt sich zu Lachen auf dem Fußboden. Selbst die Wiesen fließen in grünen Wellen, die Vegetation ist so wenig einzudämmen wie der Bach, die Üppigkeit wirkt destruktiv. Unheil kündigt sich schon auf der ersten Seite an. Durch das grüne Tal waten Männer mit Stangen, auf der Suche nach einer Wasserleiche.

 Dies ist Gabrielle Alioths dritter Roman, nach zwei Ausflügen ins Mittelalter nun in der Gegenwart, in ihrer Wahlheimat Irland angesiedelt. Wieder ist die Sprache schlicht und dicht, zugleich äußerst variationsfähig; ihr Vokabular für fließendes Wasser scheint unerschöpflich. Wieder hat sie sorgfältig ein Netz aus Bildern und Motiven geknüpft, um dem Erzählten Geschlossenheit und Tiefendimension zu geben.

 Unser Leben fließt wie Wasser über die Schwellen des Bachbetts und durch die Buchten des Tals und wirft dieselben Wellen, dreht sich in denselben Strudeln wie das Wasser davor. In einem Akt spontaner Begeisterung kauft die Ich-Erzählerin das Haus über dem grünen Tal und gerät zusammen mit ihrem Mann in den gleichen verderblichen Strudel, der schon die früheren Bewohner mitgerissen hat. Die Geschichte hängt an den Orten, die Vergangenheit dringt durch die Gegenwart wie ein altes Fresko durch den Putz. Beim Renovieren des heruntergekommenen Hauses stoßen die beiden auf die Spuren der früheren Bewohner - Schicht um Schicht von Farben, Tapeten und feuchten Zeitungen, Lumpen unter dem Linoleum, verrostetes Werkzeug in der Scheune, und vor allem Bündel alter Briefe, die allmählich in den tagebuchartigen Bericht der Erzählerin eindringen. Bald fluten die Schicksale dreier Frauen ununterscheidbar ineinander. Die Frauen sind nicht verwandt; aber sie haben alle, zu verschiedenen Zeiten, hier gewohnt. Die Erzählerin muß nachleben, was die anderen vorgelebt haben, unter dem Einfluß des Hauses, in dem offenbar kein Glück zu finden ist – von Anfang an werfen Gewalt und Zerstörung ihre Schatten, dem wuchernden Chaos ist kein Einhalt zu gebieten. Das Gesicht ihres Mannes wird, wie das der Männer vorher, kantig und fremd, er zieht sich, verstummend, immer mehr zurück, bis er endlich, ohne Begründung, davongeht, vielleicht auch im Wasser umkommt. Wie zwischen Mann und Frau wird auch beim Erzählen der Geschichte viel ausgespart und totgeschwiegen, während der Schreibenden die Grenzen zwischen Traum, Mythos und Wirklichkeit verfließen. Zum Schluß kommt die Flut über den Schauplatz der vernichteten Beziehung, das Verschwiegene reißt alles mit, schwemmt alles weg. Das Drama kann von vorn beginnen.

 Schon mit dem Titel ist die Geschichte eingebaut in den Sintflutmythos. Wichtige Elemente sind genau nachkonstruiert: die Tiere in Paaren, Noah von seinen Söhnen im Rausch überrascht, Schuld überall, der Regenbogen, der sich nicht mehr sehen läßt. Zitate aus der biblischen Erzählung lesen sich wie Belege. Indem Gabrielle Alioth ihre Geschichte in den Mythos (zusätzlich verwoben mit irischen Legenden) einbettet, demonstriert sie das Schicksalhafte des Erzählten, das keiner psychologischen Motivation bedarf, das Archaische, Immerwiederkehrende. Die Methode birgt aber auch gewisse Gefahren. Der Mythos setzt Maßstäbe, einen Anspruch an Größe, den es zu erfüllen gilt. Nicht immer ist das diesem Buch, trotz der Kraft seiner Sprache, gelungen. Dies mag an einem Zuviel liegen, zuviel Unheilschwangerschaft zwischen Wasser und Wolkenschleiern, oder auch daran, daß das Bild der Arche und damit die Konstruktion der Motive in sich nicht ganz schlüssig ist. Das Haus am Hang schwebt zwar über der Flut, aber es rettet seine Insassinnen nicht, schon gar nicht vor der Sintflut ihrer Gefühle und Erinnerungen.

Eva Leipprand

(Rezension erschienen in:Süddeutsche Zeitung)






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